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Das Sommerloch ist eine Lüge
Sommerloch im Vertrieb: Die teuerste Pause des Jahres
Juni bis September sind die vier stärksten Reisemonate in Deutschland — 45 Prozent aller Jahresübernachtungen fallen in dieses Fenster. Und trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, schalten die meisten Unternehmen in dieser Zeit auf Pause. Weniger Posts, weniger Mails, weniger Präsenz. Das nennen sie dann Sommerloch im Vertrieb.
Es ist keins. Es ist eine Entscheidung — und eine teure dazu.
Wer im Sommerloch pausiert, verliert
Das Sommerloch im Vertrieb existiert nur auf der Angebotsseite. Auf der Kundenseite läuft die Zeit weiter. Das Gehirn priorisiert, was präsent ist — und wer im Sommer verstummt, verliert Sichtbarkeit, die mühsam aufgebaut wurde. Der Interessent vom letzten Quartal? Hat im September einen anderen Anbieter im Kopf.
Genau hier reißt der Faden zu bestehenden Kontakten. Nicht beim ersten Nein. Im Sommer.
Die entscheidende Frage ist nicht: „Wie komme ich an neue Kunden?“ Sie lautet: „Wie bleibe ich bei bestehenden Kontakten im Kopf — ohne aufdringlich zu sein?“ Das ist der Unterschied zwischen einem Kundenkontakt, der das ganze Jahr trägt, und einem, der im Juli einfach einschläft.
Nähe vor Angebot
Ein persönlicher Impuls im Sommer wirkt mehr als jede Herbstkampagne. Nicht als Verkaufsmail, sondern als Geste — ein Artikel, der zur Situation des Kontakts passt, eine ehrliche Frage, eine kleine Aufmerksamkeit, die zeigt: Ich habe zugehört. Der Unterschied zwischen aufdringlich und einprägsam ist die Absicht dahinter.
Wer im Juli Nähe aufbaut statt Produkte pusht, startet im September mit einem aufgewärmten Netzwerk statt einem kalten. Der Gesprächseinstieg ist kürzer, das Vertrauen höher, die Abschlussrate besser — nicht weil man besser geworden ist, sondern weil man präsent geblieben ist. Bestehende Kontakte kaufen mit bis zu fünfmal höherer Wahrscheinlichkeit als neue. Der Sommer ist die perfekte Zeit, genau diese Kontakte zu pflegen.
Der unterschätzte Vorlauf
Was im Oktober stehen soll, braucht einen Anfang im Juli. Kampagnen, Produktionen, Kooperationen — alles, was im Herbst Wirkung zeigen soll, hat einen gemeinsamen Engpass: zu wenig Zeit zwischen Idee und Umsetzung, wenn man im September erst anfängt.
Ein konkretes Beispiel: Ein Produkt, das Ende November verkauft werden soll, braucht je nach Produktionstiefe einen Vorlauf von 16 bis 20 Wochen. Wer das im Juli erkennt, startet rechtzeitig. Wer es im Oktober erkennt, startet unter Druck — und liefert schlechtere Ergebnisse, egal wie gut die Idee war.
Unternehmer:innen, die das Sommerloch im Vertrieb aktiv nutzen, sind im Herbst einen Monat weiter als alle anderen. Ohne Zeitdruck. Mit einem Plan, der hält.
Vertrauen braucht keine Saison – Kunden auch während der Urlaubszeit erreichen
Ein Blogartikel, der wirklich in die Tiefe geht. Eine Erfolgsgeschichte, die endlich aufgeschrieben wird. Eine Kundenstimme, die längst hätte angefragt werden sollen. Substanz-Inhalte entstehen ohne Zeitdruck besser — und sie wirken zuverlässig, auch Wochen später noch.
Wenn jemand im September nach einer Lösung sucht und dein Artikel der beste zum Thema ist, hast du einen warmen Kontakt gewonnen, ohne einen einzigen Anruf gemacht zu haben. Das ist keine Magie — das ist konsequenter Vertrieb, der nicht im Juli aufhört, sondern genau dort weiterarbeitet, wo andere schweigen.
Der Kaltstart ist eine Entscheidung
Der September-Neustart fühlt sich für die meisten Unternehmer:innen wie ein Kaltstart an: neue Energie, aber wenig Anlauf. Kontakte, die wieder erwärmt werden müssen. Kampagnen, die in drei Wochen stehen sollen. Materialien, die noch fehlen.
Wer den Sommer genutzt hat, kennt dieses Gefühl nicht. Er startet mit warmen Kontakten, einem vorbereiteten Herbst und Inhalten, die bereits wirken. Der Unterschied ist nicht Talent oder Budget — es ist die Entscheidung, das Sommerloch im Vertrieb nicht als Pause zu sehen, sondern als die ruhigste und unterschätzteste Bauphase des ganzen Jahres.
Die Frage ist nicht, ob du dir den Sommer leisten kannst. Die Frage ist, ob du dir leisten kannst, ihn ungenutzt zu lassen.
Jessica Deutsch ist Marketing-Expertin für strategische Kundenbindung im Mittelstand. Als Gründerin der Manufaktur Deutsch entwickelt sie multisensorische Systeme, die Unternehmen helfen, nach dem Erstkontakt im Gedächtnis zu bleiben – und daraus Vertrauen, Empfehlungen und Folgeaufträge zu gewinnen.

