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Tauchen in Bunaken: besser als Bali
Eine Reise zum Bunaken Nationalpark vor Nord-Sulawesi, einem der artenreichsten Riffe der Welt.
Wenn Menschen an eine Tauchreise nach Indonesien denken, denken sie an Bali. Verständlich, denn die Insel ist wunderschön. Aber sie ist auch voll. Und wer beruflich damit zu tun hat, Reisen zu planen, lernt schnell eine Wahrheit: Die eindrucksvollsten Orte liegen fast nie dort, wo alle hinfahren. Für eines der spektakulärsten Riffe Südostasiens bin ich deshalb bewusst an Bali vorbeigeflogen. Rund 2.000 Kilometer weiter nordöstlich, in eine Ecke Indonesiens, die kaum jemand auf dem Schirm hat: nach Bunaken vor der Küste Nord-Sulawesis, einem Paradies zum Tauchen und Schnorcheln.
Es gibt Tauchreviere, die man an ihren Fischen erkennt. Und es gibt Bunaken, das man an dem erkennt, was unter einem verschwindet. Nur wenige Meter vom Ufer der kleinen Insel fällt das Riff nicht sanft ab, sondern bricht senkrecht in die Tiefe. Eine 25 bis 50 Meter hohe Korallenwand, die im Blauwasser einfach endet. Beim Schnorcheln und Tauchen vor Bunaken schwebt man an einer Klippe entlang, deren Grund man nicht sieht.
Tauchen im Bunaken Nationalpark: Steilwände, 390 Korallenarten, 2.000 Fischarten

Bunaken bei Ebbe © Christoph Paulus
Der 1991 gegründete Bunaken-Nationalpark umfasst rund 890 Quadratkilometer, von denen der weitaus größte Teil unter Wasser liegt. Er ist Teil des sogenannten Korallendreiecks zwischen Indonesien, den Philippinen und Papua-Neuguinea, dem Zentrum der marinen Artenvielfalt weltweit. Die Zahlen erklären, warum sich der weite Weg lohnt: Rund 390 Korallenarten und etwa 2.000 Fischarten wurden hier gezählt, über 70 Prozent aller im indo-westpazifischen Raum vorkommenden Fischarten. Zum Vergleich zieht die Wissenschaft gern Hawaii heran, und Bunaken beherbergt ein Vielfaches der dortigen Korallengattungen.
Diese Dichte hat einen Grund. Kühle, nährstoffreiche Strömungen treffen auf tropisches Warmwasser, und die steilen Wände bieten unzähligen Arten Nischen. Meeresschildkröten gleiten über die Riffkanten, Schwärme von Barrakudas stehen im Strom, und mit etwas Glück ziehen Delfine vor der Küste vorbei. Ich habe auf einem einzigen Bootsausflug beides gesehen. Schildkröten und, völlig ungeplant, eine Gruppe Delfine. Solche Momente kann man nicht buchen. Man kann sich nur an den richtigen Ort begeben.
Mein Tipp: Die besten Plätze zum Schnorcheln und Tauchen rund um Bunaken liegen nicht am Strand, sondern an den vorgelagerten Spots wie Lekuan oder Mandolin. Nehmen Sie das Boot, denn die eigentliche Show beginnt an der Abbruchkante, wo die Wand ins Tiefblau stürzt.
Tauchen in Bunaken: Eintritt und Naturschutz im Bunaken Nationalpark
Wer zum Tauchen oder Schnorcheln in den Bunaken Nationalpark kommt, zahlt eine Eintrittsgebühr von umgerechnet rund neun Euro, für Reisende ein überschaubarer Betrag. Was banal klingt, ist Teil eines der bemerkenswerteren Naturschutzmodelle Indonesiens: Die Gebühren fließen in die Verwaltung und Überwachung des Parks. Und dieser Schutz ist bitter nötig. Korallenabbau, Ankerschäden und vor allem das illegale Fischen mit Dynamit und Zyanid haben dem Riff über Jahre zugesetzt. Umweltorganisationen wie der WWF haben mit lokalen Rangern die Sprengfischerei mühsam, aber deutlich zurückgedrängt.
Der entscheidende Punkt ist, dass Schutz hier nicht gegen die Bevölkerung, sondern mit ihr organisiert wird. Rund 35.000 Menschen leben in 22 Dörfern innerhalb der Parkgrenzen, die meisten als Fischer und Bauern. Für sie ist ein intaktes Riff Lebensgrundlage und zugleich das Kapital eines sanften Tourismus. Jeder gelöste Anker, jede stehengelassene Sprengladung ist damit auch eine ökonomische Entscheidung. Als Gast zahlt man diese neun Euro also für die Zukunft eines Ökosystems.
Tauchen in Bunaken: Anreise, beste Reisezeit und Unterkünfte

Sonnenuntergang auf den Bunaken © Christoph Paulus
Bunaken erreicht man über Manado, die quirlige Hauptstadt Nord-Sulawesis, bekannt für die feurige Minahasa-Küche. Von hier bringt ein Boot Reisende in gut einer halben Stunde zur Insel. Willkommen in einer anderen Reisewirklichkeit. Statt Infinity-Pools und Beachclubs prägen bei den meisten Unterkünften einfache Bungalows, Mangrovenstrände und ein spürbarer Gemeinschaftssinn das Bild. Strom und Internet setzen dort schon mal aus (manchmal bis zu 14 Tage, wenn ein Ersatzteil fehlt), das Wasser ist mancherorts brackig.
Beste Reisezeit: Tauchen ist in Bunaken ganzjährig möglich, die besten Bedingungen bietet die Trockenzeit von etwa April bis Oktober. Dann ist die Sicht unter Wasser mit teils über 30 Metern am klarsten, die Wassertemperatur liegt das ganze Jahr über bei angenehmen 27 bis 29 Grad. In der Regenzeit zwischen November und März bleibt das Tauchen machbar, einzelne Schauer und etwas trübere Sicht sollten Sie dann aber einplanen.
Dabei haben Sie durchaus die Wahl. Neben den einfachen, oft gemeinschaftlich geführten Dive-Lodges gibt es auf der Insel auch ein, zwei gehobenere Resorts, die deutlich mehr Komfort bieten. Wer also auf ein bequemes Bett und verlässliche Ausstattung nicht verzichten möchte, findet auch das. Der Charakter der Insel bleibt trotzdem ein grundlegend anderer als der von Balis Süden: ursprünglicher, langsamer, näher am echten Leben.
Seien Sie also ehrlich zu sich selbst, bevor Sie buchen. Selbst das komfortabelste Haus auf Bunaken ist kein Fünf-Sterne-Resort im balinesischen Sinne. Wer die einfacheren, authentischen Lodges wählt, sollte zuverlässigen Mückenschutz einpacken und sich auf schlichte Ausstattung einstellen; und in beiden Fällen lohnt eine Nacht in Manado, um die Flugverbindungen perfekt zu takten. Wer mit der richtigen Erwartung anreist, wird nicht enttäuscht, sondern belohnt.
Die Belohnung fürs Weiterdenken
Am Ende steht eine Erkenntnis, die weit über das Tauchen hinausreicht und die im Kern meine Arbeit beschreibt: Die besten Reiseerlebnisse gehören nicht denen mit dem größten Budget, sondern denen, die einen Schritt weiter denken als der Massentourismus. Bunaken verlangt keinen Reichtum. Es verlangt die Bereitschaft, an Bali vorbeizuschauen, eine unbequemere Route in Kauf zu nehmen und Komfort gegen Echtheit zu tauschen. Genau darin liegt der Gewinn.
Wer diesen Blick bei der Wahl des Ziels ebenso wie bei der Art der Anreise einmal geübt hat, reist grundsätzlich anders. Klüger, günstiger und oft näher an dem, was eine Reise überhaupt erst wertvoll macht. Bunaken ist der Beweis dafür: Das Eindrucksvollste liegt dort, wo kaum jemand hinschaut.
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Titelbild © Christoph Paulus
Christoph Paulus ist Experte für Meilen, Punkte und Premium Travel. Sein Steckenpferd: Business- und First-Class-Flüge, die andere für unbezahlbar halten. Was nach Luxusproblem klingt, ist für ihn ein System – und gleichzeitig seine liebste Art zu reisen

