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Innere Sicherheit im Business
Innere Sicherheit im Business ist ein Thema, das gerade für erwachsene Trennungskinder eine Bedeutung haben kann.
Einige erwachsene Trennungskinder haben schon früh erfahren, dass Sicherheit plötzlich verschwinden kann. Ein Elternteil zieht aus und der andere ist mit den eigenen Sorgen um Geld und Machbarkeit beschäftigt. Streit gehörte zum Alltag und deshalb wurde manchmal Anpassung zur besten Möglichkeit, weitere Konflikte und Stress zu vermeiden. Solche Erfahrungen, Muster oder Selbstprogrammierungen verschwinden nicht automatisch mit dem Erwachsenwerden. Innere Sicherheit im Business kann deshalb gerade für erwachsene Trennungskinder zu einem wichtigen Thema werden.
Meine Beobachtung aus der Arbeit mit erwachsenen Trennungskindern ist, dass sich diese frühen Erfahrungen später an ganz unterschiedlichen Stellen zeigen können: in Beziehungen, bei Entscheidungen, im eigenen Selbstwert, aber auch bei Investitionen und Umgang mit Geld, im Business.
Gerade dort kann fehlende innere Sicherheit zum Problem werden.
Im Business geht es um Authentizität, Vertrauen und Präsenz. Kunden möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben. Sie bauen eine Verbindung zu einem Menschen auf und wollen spüren, dass dieser hinter dem steht, was er anbietet.
Dafür braucht es die Bereitschaft, sich zu zeigen.
Wenn Unsicherheit den Verkauf übernimmt

@Binaca Kübler
Ist das eigene Nervensystem immer wieder auf Gefahr eingestellt, nimmt es Situationen schneller als Bedrohung wahr. Sichtbarkeit kann sich unangenehm anfühlen. Eine Absage bekommt plötzlich eine viel größere Bedeutung. Verkaufen wird mit Ablehnung verbunden und Entscheidungen ziehen sich unnötig in die Länge. Das kann sich sogar im direkten Kundengespräch zeigen.
Da ist sofort Verständnis dafür vorhanden, warum ein Interessent gerade nicht buchen kann. Das Geld ist knapp, das Auto muss repariert werden, die Waschmaschine ist kaputt oder die Kinder brauchen gerade besonders viel Aufmerksamkeit.
Manchmal liefert der Unternehmer damit selbst die Argumente, warum der Kunde sein Angebot gerade nicht kaufen sollte.
An anderer Stelle zeigt sich dasselbe Muster durch ständige Vorbereitung.
Noch eine kostenfreie Masterclass. Noch eine Ausbildung. Wieder wird am Angebot gearbeitet, die Website verändert und der nächste Kurs gebucht.
Das Gefühl, dass noch etwas fehlt, ist stärker als das Vertrauen in das, was längst vorhanden ist.
Während weiter gelernt, geplant und optimiert wird, bleiben häufig genau die Tätigkeiten liegen, die für ein Business entscheidend sind: über das eigene Angebot sprechen, Kontakte aufbauen, sichtbar sein und verkaufen.
Innere Sicherheit im Business und Selbstwert gehören zusammen
Innere Sicherheit ist eng mit dem Selbstwert verbunden.
Wer tief in sich davon überzeugt ist, noch nicht gut genug zu sein, mehr wissen zu müssen oder erst etwas leisten zu müssen, bevor die eigene Arbeit wirklich wertvoll ist, nimmt diese Überzeugung mit ins Business.
Das wirkt sich auf die Sichtbarkeit, die Preisgestaltung, die Angebote und Entscheidungen aus. Auch die Verbindung zu den eigenen Kunden verändert sich dadurch.
Ein Mensch kann fachlich hervorragend aufgestellt sein und trotzdem Schwierigkeiten haben, diese Kompetenz nach außen zu tragen.
Eine weitere Weiterbildung verändert daran häufig wenig. Auch das nächste Zertifikat führt nicht automatisch dazu, der eigenen Erfahrung und dem vorhandenen Wissen mehr zu vertrauen.
Dieses Vertrauen zeigt sich im Alltag ganz konkret.
Das eigene Angebot klar auszusprechen, gehört dazu. Ebenso den Preis zu nennen, ohne ihn sofort erklären oder relativieren zu müssen. Eine Absage darf eine geschäftliche Entscheidung des Gegenübers bleiben, ohne daraus den eigenen Wert abzuleiten.
Genau diese Klarheit ist auch für Kunden spürbar.
Innere Sicherheit im Business verändert die Verbindung zum Kunden
Wie wichtig Bindung und Vertrauen auch im beruflichen Umfeld sind, zeigt eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024. Dafür wurden 109 Stichproben mit insgesamt 32.278 Menschen ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen Bindungsmustern und verschiedenen Bereichen des Arbeitslebens. Dazu gehören unter anderem Vertrauen, Selbstwirksamkeit, Burnout und Arbeitsleistung.
Besonders interessant ist dabei das Thema Vertrauen. Ängstliche und vermeidende Bindungsmuster gingen mit geringerem Vertrauen in die Führungskraft einher. Vertrauen wiederum spielte eine Rolle für verschiedene berufliche Ergebnisse.
Die Studie bezieht sich auf den Arbeitskontext und nicht speziell auf Selbstständige. Für mich ist sie trotzdem ein spannender Hinweis darauf, wie sehr unsere Beziehungserfahrungen auch im beruflichen Umfeld eine Rolle spielen können.
Für Selbstständige bekommt dieser Gedanke noch einmal eine andere Bedeutung. Denn hier entstehen Beziehungen zu Kunden, Interessenten und Geschäftspartnern jeden Tag neu.
Wer stark damit beschäftigt ist, wie er wirkt, ob er gut genug ist, was der andere gerade denkt oder ob eine Ablehnung droht, richtet einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit auf die eigene Unsicherheit.
Für die Verbindung zum Gegenüber bleibt weniger Raum.
Gerade in beratenden Berufen ist das entscheidend. Coaches, Therapeutinnen, Berater und Dienstleister verkaufen keine Ware aus einem Regal. Ihre Persönlichkeit, ihre Haltung und ihre Präsenz gehören zur Zusammenarbeit.
Kunden spüren, ob jemand hinter dem eigenen Angebot steht. Sie spüren Klarheit und Präsenz. Und sie nehmen ebenso wahr, wenn jemand im entscheidenden Moment zurückweicht.
Innere Sicherheit im Business: Was frühe Trennungserfahrungen damit zu tun haben können
An dieser Stelle wird es für erwachsene Trennungskinder besonders interessant.
Eine Studie mit 426 Erwachsenen untersuchte den Zusammenhang zwischen einer Trennung oder Scheidung der Eltern und späteren Bindungsmustern. Bei den Teilnehmern mit einer elterlichen Trennungsgeschichte zeigten sich häufiger ängstliche und vermeidende Bindungsmuster.
Eine besondere Rolle spielte dabei die Erwartung, von anderen verlassen zu werden. Die Forscher sprechen vom sogenannten „Abandonment Schema“.
Das bedeutet nicht, dass ein Trennungskind später automatisch Schwierigkeiten mit Bindung, Vertrauen oder Sicherheit entwickelt. Eine Trennung der Eltern allein entscheidet nicht darüber, wie ein Mensch Jahrzehnte später Beziehungen führt.
Sie kann aber Teil der Erfahrungen sein, aus denen ein Kind seine Vorstellung von Sicherheit und Verlässlichkeit entwickelt.
Und genau hier schließt sich für mich der Kreis zum Business.
Wer früh gelernt hat, Beziehungen sehr genau zu beobachten, sich anzupassen oder mit dem Verlust von Verbindung zu rechnen, legt diese Strategien mit dem Eintritt ins Berufsleben nicht einfach an der Garderobe ab.
Sie können auch dort auftauchen: beim Sichtbarwerden, beim Verkaufen, im Umgang mit Ablehnung, beim Vertreten des eigenen Preises oder in der Beziehung zu Kunden.
Meine Beobachtung in der Arbeit mit Frauen ist immer wieder: Fachliches Wissen ist häufig längst ausreichend vorhanden. Erfahrung ebenfalls.
Spannender ist die Frage, wie sicher sich jemand damit fühlt, dieses Wissen auch zu vertreten.
Kann ich dem vertrauen, was ich kann?
Kann ich mit meiner Arbeit sichtbar werden?
Kann ich meinen Platz einnehmen, auch wenn nicht jeder gut findet, was ich tue?
Kann ich ein Nein aushalten, ohne sofort an mir und meinem Angebot zu zweifeln?
Genau an diesen Stellen lohnt sich ein Blick auf die eigene Geschichte. Nicht um der Vergangenheit die Schuld zu geben. Es geht darum zu erkennen, welche alten Strategien heute noch mitentscheiden – und welche davon im eigenen Leben und Business keinen Job mehr haben.
Titelbild © Bianca Kübler
Maike Kirchhoff arbeitet mit Menschen, deren berufliche Herausforderungen weniger mit Kompetenz als mit biografisch geprägten Entscheidungs- und Handlungsmustern zu tun haben.

