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Kamera an, Datenschutz aus? Was Firmen bei Videoüberwachung beachten sollten
Eine Kamera am Eingang, im Lager oder auf dem Firmengelände und schon fühlt man sich ein gutes Stück sicherer. Gerade für kleine Unternehmen kann Videoüberwachung sinnvoll sein. Zum Beispiel, wenn es bereits Diebstähle, Sachbeschädigungen oder unbefugten Zutritt gegeben hat.
Aber einfach Kamera kaufen, anschrauben und losfilmen? Keine gute Idee. Auch wenn es die Anbieter von Kamerasystemen im Internet so propagieren. Denn auch bei der Videoüberwachung im Unternehmen redet der Datenschutz ein Wörtchen mit. Die gute Nachricht: Mit etwas Planung lassen sich Sicherheit und Datenschutz durchaus unter einen Hut bringen.
Erst überlegen, dann Kamera kaufen
Der wichtigste Punkt kommt noch vor der Technik: Warum soll überhaupt gefilmt werden?
Geht es darum, Einbrüche zu verhindern? Waren zu schützen? Zufahrten zu überwachen oder konkrete Vorfälle aufzuklären? Je klarer der Zweck ist, desto besser.
„Ich möchte halt mal sehen, was so passiert“ ist dagegen keine besonders gute Begründung. Vor allem dann nicht, wenn Mitarbeitende permanent mit im Bild sind.
Gab es bereits Diebstähle oder Sachbeschädigungen, sollten diese Vorfälle dokumentiert werden. Wurde sogar Anzeige erstattet, kann ein polizeiliches Aktenzeichen helfen, die Notwendigkeit der Videoüberwachung nachvollziehbar zu machen.
Mehr Technik bei der Videoüberwachung ist nicht automatisch besser
Moderne Kameras können inzwischen erstaunlich viel. KI erkennt Personen, Fahrzeuge oder bestimmte Bewegungsmuster. Wärmebildkameras funktionieren auch bei schwierigen Lichtverhältnissen und manche Systeme lassen sich direkt mit Alarm- oder Zutrittstechnik verbinden.
Doch gerade hier sollten kleine Firmen aufpassen: Nur weil eine Kamera eine Funktion eingebaut hat, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch einfach nutzen darf.
Gesichtserkennung, Verhaltensanalysen oder Audioaufnahmen können datenschutzrechtlich schnell zum Problem werden.
Deshalb gilt: Nicht kaufen, weil die Technik cool klingt, sondern weil sie zum tatsächlichen Zweck passt.
Die 99-Euro-Kamera kann am Ende teuer werden
Günstige WLAN-Kameras aus dem Internet wirken verlockend: App installieren, Kamera verbinden, fertig. Doch spätestens bei der Frage, wo die Aufnahmen gespeichert werden und wer darauf zugreifen kann, wird es interessant.
Cloudspeicher im Ausland, instabile WLAN-Verbindungen oder schlecht konfigurierte Kameras können für Unternehmen zum Risiko werden.
Und eine Kamera, die einen riesigen Bereich filmt, aber im entscheidenden Moment nur ein unscharfes Bild liefert, hilft sowieso niemandem.
Videoüberwachung braucht ein Konzept
Bei einer datenschutzkonformen Videoüberwachung geht es deshalb nicht nur um die Kamera. Unternehmen sollten festlegen, welcher Bereich erfasst wird, warum dort gefilmt wird, wie lange Aufnahmen gespeichert werden und wer darauf zugreifen darf.
Auch Hinweisschilder gehören dazu. Ebenso sollte geprüft werden, ob wirklich die komplette Fläche aufgenommen werden muss oder bestimmte Bereiche ausgeblendet beziehungsweise verpixelt werden können.
Besonders sensibel sind Arbeitsplätze, Pausenräume oder andere Bereiche, in denen sich Mitarbeitende regelmäßig aufhalten.
Datenschutz ist nicht der Spielverderber
Videoüberwachung und Datenschutz schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil: Wer vorher sauber plant, bekommt am Ende meist sogar das bessere Sicherheitssystem.
Das Ziel sollte deshalb nicht lauten: „Wo hängen wir Kameras hin?“ Sondern: „Welches Problem wollen wir lösen – und welche Lösung ist dafür sinnvoll und datenschutzkonform?“
Wer diese Frage zuerst beantwortet, spart sich später Ärger, unnötige Kosten und möglicherweise auch Diskussionen mit der Datenschutzaufsicht.
Und die Kamera? Die darf dann ganz entspannt ihren Job machen – solange sie sich benehmen kann.
Titelbild: ©CORIDAS GmbH
Corinna Göring steht für den DSGVO Erste Hilfe Koffer und das DSGVO Vertrauensforum | Datenschutz einfach umsetzen & Vertrauen sichtbar machen – für Soloselbstständige und kleine Unternehmen!

