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Mentale Gesundheit und Führung: was jetzt zählt

Die Oktoberaktionswochen zur seelischen Gesundheit haben das Thema Mentale Gesundheit und Führung sichtbar gemacht. Jetzt entscheidet sich, ob Unternehmen daraus eine dauerhafte Haltung machen – oder ob es bei einer Woche im Kalender bleibt.

Vom 10. bis 20. Oktober fand bundesweit die Woche der Seelischen Gesundheit statt, unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander“. Mehr als 1.000 Veranstaltungen in über 200 Städten haben dafür gesorgt, dass seelische Gesundheit für einige Tage sichtbarer war als sonst. Auch mein eigenes Webinar Ende Oktober hat sich diesem Zusammenhang gewidmet.

Die eigentliche Frage beginnt jedoch erst danach: Was bleibt, wenn die Aktionswoche vorbei ist?

Mentale Gesundheit und Führung: Sichtbarkeit ist nur der erste Schritt

Eine aktuelle Studie des ifaa (Institut für angewandte Arbeitswissenschaft) liefert dazu einen aufschlussreichen Befund. Befragt wurden 293 Unternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie. 71 Prozent der Betriebe erkennen psychische Belastungen inzwischen als wichtiges Thema an. Gefährdungsbeurteilungen führen 91 Prozent durch, psychische Belastungsfaktoren fließen bei rund 73 Prozent mit ein.

Auf den ersten Blick klingt das nach einem guten Stand. Der zweite Blick zeigt jedoch eine Lücke: Gerade kleinere und mittlere Unternehmen verfügen häufig weder über spezialisiertes Personal noch über ausreichend Praxiswissen. Je nach Thema geben zwischen 21 und 38 Prozent der Betriebe an, dazu nicht ausreichend informiert zu sein. Entsprechend groß ist der Wunsch nach externer Unterstützung – durch Verbände, Krankenkassen oder spezialisierte Beraterinnen und Berater.

Anerkennung allein verändert demnach noch keinen Arbeitsalltag.

Mentale Gesundheit braucht eine Kultur, keine Aktionswoche

Mentale Gesundheit und Führung: Nicht jede Belastung lässt sich individuell wegregulieren

Auszug aus Präsentation von © Sigrid Strauß

Eine einzelne Woche im Kalender kann Aufmerksamkeit schaffen. Sie kann jedoch nicht leisten, was eigentlich gebraucht wird: eine Haltung, die über den Oktober hinaus trägt.

Im vorigen Beitrag ging es um die einzelne Führungskraft – um die Frage, wie früh sich nachlassende Energie, flacherer Schlaf oder sinkende Konzentration bemerken lassen. Dieser Blick bleibt wichtig. Er reicht jedoch nicht aus, wenn das Umfeld keinen Raum dafür lässt, Belastung überhaupt anzusprechen.

Der nächste Schritt setzt deshalb eine Ebene höher an: Mentale Gesundheit wird erst dann zur Unternehmensrealität, wenn sie in Besprechungen, Führungsgesprächen und alltäglichen Routinen vorkommt – über die Kampagnenwoche hinaus.

Offene Gesprächskultur als Führungsaufgabe

Die Woche der Seelischen Gesundheit widmet sich traditionell vor allem der Entstigmatisierung schwerer psychischer Erkrankungen. Im unternehmerischen Alltag beginnt Entstigmatisierung jedoch meist kleiner: bei der Frage, ob ein Satz wie „Ich komme gerade schwer hinterher“ in einer Besprechung Platz hat, ohne als Schwäche gewertet zu werden.

Führungskräfte prägen diesen Rahmen maßgeblich mit. Wer selbst nie über eigene Belastungsgrenzen spricht, signalisiert unausgesprochen, dass das Thema besser außen vor bleibt. Wer dagegen frühzeitig und sachlich anspricht, wenn eine Phase fordernd war, macht es anderen leichter, es ebenfalls zu tun.

Dabei geht es nicht darum, jede Belastung sofort zum Gesundheitsthema zu erklären. Entscheidend ist vielmehr, überhaupt ansprechbar zu sein, bevor aus einer anstrengenden Woche ein dauerhaftes Problem wird.

Was Unternehmen aus den Erfahrungen mitnehmen können

Mentale Gesundheit und Führung: Verhandlung mit Unternehmer

Harmann-Media-GbR

Aus den Oktoberaktionswochen und den aktuellen Studienergebnissen lässt sich für den Unternehmensalltag einiges ableiten. Wirksamer als ein einzelner Gesundheitstag im Jahr sind wiederkehrende, kurze Formate – etwa feste Check-in-Fragen in Teammeetings oder regelmäßige Jour-fixe-Termine mit Führungskräften, in denen Belastung ganz selbstverständlich zur Sprache kommen darf.

Da die ifaa-Studie gerade bei kleineren Betrieben Wissenslücken zeigt, lohnt sich außerdem gezielte Weiterbildung für Führungskräfte: zu Warnsignalen, zu Gesprächsführung und zum Umgang mit der eigenen Belastung. Wo intern Kapazitäten oder Erfahrung fehlen, hilft zudem der Blick von außen – durch Beratung, Workshops oder ein strukturiertes Analysegespräch, das zeigt, wo ein Unternehmen tatsächlich steht.

Hilfreich ist dabei eine zusätzliche Frage, über den reinen Belastungsgrad hinaus: Wofür wird die eigene Energie – und die des Teams – eigentlich gebraucht? Diese Frage öffnet das Gespräch, statt es auf ein Defizit zu verengen.

Mentale Gesundheit und Führung: Aus einem Monat wird eine Haltung

Die Oktoberaktionswochen und die aktuellen Studienzahlen zeigen beides gleichzeitig: Das Bewusstsein für mentale Gesundheit in Unternehmen wächst. Gleichzeitig fehlt vielerorts noch die Struktur, um aus diesem Bewusstsein eine gelebte Praxis zu machen.

Diese Struktur entsteht vor allem durch Führungskräfte, die das Thema das ganze Jahr über offen halten – weit über eine einzelne Aktionswoche hinaus. Wer das erreichen möchte, findet in einem strukturierten Austausch – etwa einem Analysegespräch zur aktuellen Situation im eigenen Unternehmen – einen konkreten Einstieg.

Was hat sich in Ihrem Unternehmen seit Oktober wirklich verändert?

Titelbild © Harmann-Media-GbR

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Sigrid Strauß ist Expertin für mentale Leistungsfähigkeit und starkes Immunsystem. Sie arbeitet mit Entscheidungsträgern, für die persönliche Stabilität die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Erfolg ist. Dabei schöpft sie aus einem einzigartigen Mix: Langjährige eigene Führungstätigkeit trifft auf fundiertes Fachwissen in der Darmgesundheit, Ernährungsberatung und Resilienz. Statt kurzfristiger Maßnahmen setzt sie auf alltagstaugliche Strukturen, die den Körper von innen stärken und den Geist für komplexe Herausforderungen klären. Ihre Botschaft: „Gesundheit ist kein privates Hobby, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Wer gesund führen will, muss die Biologie der Leistungsfähigkeit verstehen.“

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