Social-Media

Top 100 Experten

Vertrauen im Führungsteam: Der unterschätzte Erfolgsfaktor

Vertrauen im Führungsteam: Warum Vertrauen kein Soft Skill ist, sondern Leistung, Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität beeinflusst.

Stellen Sie sich Ihr nächstes Führungsmeeting vor. Auf der Agenda: ein Projekt, das ins Stocken geraten ist.

Der Bereichsleiter weiß, woran es liegt. Aber er sagt es nicht. Denn beim letzten Mal wurde er für genau diese Offenheit kritisiert. Also redet er um das Problem herum.

Drei Wochen später eskaliert das Projekt. Der Schaden ist da. Und trotzdem wundert sich niemand.

Dieses Muster begegnet uns in vielen Führungsteams – auch in gewachsenen Familienunternehmen, in denen Loyalität und persönliche Beziehungen eine besondere Rolle spielen.

Was nicht gesagt wird, entscheidet trotzdem.

Warum selbst gut besetzte Teams an unausgesprochenen Erwartungen und fehlender Klarheit scheitern können, zeigt bereits der Beitrag „Warum gute Teams trotzdem scheitern – Führung im Nebel“.

Vertrauen im Führungsteam: Was die Forschung zeigt

© Yan Krukau

Der Neurowissenschaftler Paul Zak veröffentlichte 2017 in der Harvard Business Review bemerkenswerte Ergebnisse: Beschäftigte in Unternehmen mit hoher Vertrauenskultur berichteten im Vergleich zu Unternehmen mit geringem Vertrauen von 50 Prozent höherer Produktivität, 74 Prozent weniger Stress, 13 Prozent weniger Krankheitstagen und 76 Prozent höherem Engagement. Paul Zak – The Neuroscience of Trust, Harvard Business Review (2017)

Diese Zusammenhänge belegen keine automatische Ursache-Wirkungs-Beziehung. Sie verdeutlichen jedoch, dass Vertrauen weit mehr ist als ein Wohlfühlfaktor.

Für CFOs und Geschäftsführungen berührt das unmittelbar die Wirtschaftlichkeit: Fehlzeiten, Produktivitätsverluste, verzögerte Entscheidungen und Fluktuation verursachen Kosten.

Für HR-Verantwortliche kommt eine weitere Dimension hinzu: die Arbeitgeberattraktivität.

Denn Mitarbeiterbindung entsteht nicht allein durch Gehalt, Benefits oder Employer-Branding-Kampagnen. Entscheidend ist auch, wie Menschen ihre tägliche Zusammenarbeit und Führung erleben.

Ein relevanter Indikator ist dabei die interne Weiterempfehlungsbereitschaft: Würden Beschäftigte ihr Unternehmen Freunden oder Bekannten als Arbeitgeber empfehlen?

Warum unser Gehirn mitentscheidet

Auch die Neurowissenschaft liefert eine Erklärung.

Unser Gehirn bewertet fortlaufend, ob Situationen Sicherheit oder Bedrohung signalisieren. Die Amygdala ist an dieser Bewertung beteiligt, arbeitet dabei jedoch mit weiteren Hirnregionen zusammen.

Wer wiederholt erlebt, dass Offenheit zu Bloßstellung oder negativen Konsequenzen führt, kann ein Schutzverhalten entwickeln: lieber schweigen als widersprechen.

Was individuell nachvollziehbar ist, wird organisational gefährlich.

Risiken werden verschwiegen. Fehler zu spät angesprochen. Entscheidungen auf unvollständiger Informationsbasis getroffen.

Google bestätigte dies 2016 in seinem berühmten Project Aristotle. Dabei wurden über 180 Teams analysiert.

Das Ergebnis hat selbst die Forscher überrascht: Entscheidend für Teamleistung war weder Erfahrung noch Intelligenz noch die Zusammensetzung des Teams.

Vielmehr war es psychologische Sicherheit – also die gemeinsame Überzeugung, dass Fragen, Widerspruch und Fehlereingeständnisse ohne zwischenmenschliche Bestrafung möglich sind.

 

Warum Vertrauen die Basis erfolgreicher Teamarbeit ist

Was im Führungsteam sichtbar wird, ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Darunter wirken Vertrauen, Erwartungen und unausgesprochene Konflikte.

© Freepik / KI-generierte Illustration / Mize Business Coaching

Das Modell der fünf Dysfunktionen eines Teams von Patrick Lencioni zeigt, warum Vertrauen, konstruktive Konflikte, Verbindlichkeit, gegenseitige Verantwortung und gemeinsame Ergebnisorientierung die Grundlage leistungsfähiger Teams bilden. Mehr zum Modell bei Wiley.“

Patrick Lencioni stellt Vertrauen an die Basis seiner fünf Dysfunktionen eines Teams.

Dabei geht es nicht um Sympathie oder blinde Harmonie, sondern um Verwundbarkeitsvertrauen: die Bereitschaft, Fehler zuzugeben, um Hilfe zu bitten und eigene Unsicherheiten offenzulegen.

Fehlt diese Basis, werden produktive Konflikte vermieden. Entscheidungen bleiben unverbindlich. Gegenseitige Verantwortung wird erschwert.

Ein Führungsteam kann fachlich hervorragend besetzt sein und dennoch unter seinen Möglichkeiten bleiben.

 

Vertrauen im Führungsteam: Folgen für die Unternehmenspraxis

Betrachten wir ein Familienunternehmen mit knapp 400 Mitarbeitenden.

Probleme werden erst angesprochen, wenn sie nicht mehr zu übersehen sind. Frühwarnsignale verschwinden im Flurfunk. Gleichzeitig steht eine Nachfolge in der Geschäftsführung bevor.

Die entscheidende Frage lautet nicht allein: Wer übernimmt künftig die Verantwortung?

Sondern auch: Welche unausgesprochenen Regeln und Verhaltensmuster übernimmt die nächste Generation?

Genau hier liegt die unsichtbare Ebene der Führungskultur.

Wer Vertrauen systematisch entwickeln will, sollte deshalb nicht nur die Stimmung im Team betrachten, sondern auch messbare Indikatoren: Projekt-Eskalationen, Krankenstand, Fluktuation und Mitarbeiterweiterempfehlung.

Diese Kennzahlen sind keine isolierten Vertrauensmessungen. Gemeinsam mit qualitativen Rückmeldungen können sie jedoch Hinweise auf die Entwicklung der Führungskultur geben.

 

Drei Fragen für Ihr Führungsteam

  1. Wann hat in Ihrem Führungsteam zuletzt jemand offen einen Fehler eingestanden – und wie wurde darauf reagiert?
  2. Welche Person weiß etwas, das Sie unbedingt hören müssten, traut sich aber nicht, es auszusprechen?
  3. Was würde sich in Ihrem Unternehmen verändern, wenn kritische Informationen früher auf den Tisch kämen?

Vertrauen ist kein Geschenk. Es ist eine Führungsaufgabe mit wirtschaftlicher Relevanz.

Und es ist nicht das Ziel, sondern der Startpunkt wirksamer Zusammenarbeit.
Mehr dazu erfahren Sie hier.

Titelbild © Asja Mize/ KI Deepfake gemäß Kennzeichnung

Weiterlesen
Das könnte Dir auch gefallen...
Avatar-Foto

Asja Mize ist systemische Organisationsberaterin, Executive Sparringspartnerin und „Eisberglotsin“ – sie macht sichtbar, was unter der Oberfläche von Führungsteams wirkt: unausgesprochene Erwartungen, Konflikte und Dynamiken, die Zusammenarbeit und Unternehmenserfolg beeinflussen. Mit ihrer Expertise in Leadership, Teamcoaching und Transformation begleitet sie Geschäftsführungen und Führungsteams dabei, Klarheit zu schaffen, Verantwortung zu stärken und Zusammenarbeit wirksam zu gestalten.

Kommentieren

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mehr in Top 100 Experten

Das könnte Dir gefallen:

Top
Dein Erfolg in digitaler Form!
Hole dir das topaktuelle MDL Magazin als E-Paper und genieße faszinierende Inhalte. Entdecke wegweisende Ideen für dich, dein Unternehmen und deinen Lifestyle. Bei Fragen wende dich bitte an: aboservice@mdl-magazin.de