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Gesund bis zur Rente: Arbeitsfähigkeit wird zur Führungsaufgabe

Gesund bis zur Rente arbeiten zu können, ist für viele Beschäftigte längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Vier von zehn Beschäftigten in Deutschland bezweifeln, dass sie ihre derzeitige Tätigkeit unter den aktuellen Anforderungen bis zum gesetzlichen Rentenalter ohne Einschränkungen ausüben können. Nur 53 Prozent gehen davon aus, dass dies wahrscheinlich möglich sein wird. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des DGB-Index , für die Befragungen von knapp 28.000 Beschäftigten aus den Jahren 2022 bis 2026 ausgewertet wurden.

Diese Zahl verdient Aufmerksamkeit. Denn die Frage, ob Menschen gesund bis zur Rente arbeiten können, betrifft weit mehr als die persönliche Lebensplanung einzelner Beschäftigter. Sie berührt Fachkräftesicherung, Krankenstände, Produktivität, Führung und die Frage, wie Unternehmen ihre Leistungsfähigkeit in den kommenden Jahren erhalten.

Gesunde Leistungsfähigkeit entsteht über Jahre. Ebenso entstehen viele Belastungen nicht von heute auf morgen. Arbeitsdichte, Zeitdruck, mangelnde Regeneration, Schlafprobleme, fehlende Bewegung oder ungünstige Ernährungsgewohnheiten können sich über lange Zeit gegenseitig verstärken. Hinzu kommen Arbeitsbedingungen, auf die Beschäftigte selbst nur begrenzt Einfluss haben.

Unternehmen sollten deshalb früher hinschauen.

Gesund bis zur Rente wird zur Unternehmensfrage

In vielen Betrieben wird Gesundheit noch vor allem dann sichtbar, wenn jemand ausfällt. Dann fehlen Beschäftigte, Aufgaben müssen verteilt werden, Projekte geraten unter Druck und Kolleginnen und Kollegen übernehmen zusätzliche Arbeit.

Die entscheidende Entwicklung beginnt häufig viel früher.

Menschen können anwesend sein und trotzdem längst nicht mehr über die Energie, Konzentration und Belastbarkeit verfügen, die sie für ihre Aufgaben benötigen. Gerade bei verantwortungsvollen Tätigkeiten fällt das nicht immer sofort auf. Erfahrung und Routine helfen dabei, Einschränkungen eine Zeit lang zu kompensieren.

Für Unternehmen wird damit eine andere Kennzahl interessant: Wie lange können Beschäftigte ihre Arbeit unter den vorhandenen Bedingungen gesund und leistungsfähig ausüben?

Der DGB-Index zeigt, wie eng diese Einschätzung mit den Arbeitsbedingungen zusammenhängt. Besonders kritisch beurteilen Beschäftigte ihre zukünftige Arbeitsfähigkeit bei hoher körperlicher Belastung, starker Arbeitsverdichtung und in psychisch anspruchsvollen Tätigkeiten.

Damit wird Arbeitsfähigkeit bis zur Rente zu einem Thema für Unternehmensführung und Personalstrategie.

Gesundheit entscheidet, wie lange Menschen bis zur Rente arbeiten können und wollen

Auch der DAK-Gesundheitsreport 2026 liefert dazu interessante Zahlen. Über alle Altersgruppen hinweg denken 44 Prozent der befragten Beschäftigten darüber nach, vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Bei den Beschäftigten ab 50 Jahren sind es 52 Prozent.

Besonders deutlich wird der Zusammenhang beim Gesundheitszustand. Von den 50- bis 67-Jährigen, die ihren eigenen Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht einschätzen, wollen 60 Prozent vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Bei Beschäftigten mit gutem bis ausgezeichnetem Gesundheitszustand liegt dieser Anteil bei 48,6 Prozent.

Gesundheit hat damit unmittelbare Bedeutung für die Personalplanung.

Das gilt umso mehr, weil Unternehmen auf Erfahrung angewiesen sind. Beschäftigte jenseits der 50 verfügen häufig über umfangreiches Fachwissen, kennen Kunden, Prozesse und informelle Strukturen und haben Situationen erlebt, die sich nicht einfach über Schulungen oder digitale Wissensdatenbanken ersetzen lassen.

Dieses Erfahrungswissen zu erhalten, wird zu einem Wettbewerbsvorteil. Dafür reicht es allerdings nicht, erst kurz vor dem Renteneintritt über altersgerechtes Arbeiten nachzudenken.

Gesund bis zur Rente braucht gute Führung

Erfahrene Führungskraft – gesund und leistungsfähig im Berufsleben

© Hamann Media

Für Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte hat dieses Thema zwei Seiten.

Sie gestalten Arbeitsbedingungen, Prioritäten und Unternehmenskultur für andere. Gleichzeitig gehören sie selbst zu einer Gruppe, die über viele Jahre mit hoher Verantwortung, Entscheidungsdruck und dichter Terminplanung umgehen muss.

Gerade ab der Lebensmitte lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf die eigenen Ressourcen. Viele Führungskräfte haben zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte intensiver Berufstätigkeit hinter sich. Gewohnheiten haben sich etabliert. Schlaf wird zugunsten der Arbeit verkürzt, Mahlzeiten werden zwischen Termine geschoben, Bewegung findet dann statt, wenn noch Zeit übrig ist, und Regeneration wird regelmäßig auf später verschoben.

Eine Zeit lang kann das funktionieren.

Die interessantere Frage lautet: Wie lange?

Führungskräfte treffen Entscheidungen, priorisieren, führen schwierige Gespräche und geben Orientierung. Dafür brauchen sie mentale Klarheit, emotionale Stabilität und ausreichend Energie. Wenn diese Ressourcen dauerhaft schwanken, betrifft das irgendwann auch die Qualität von Führung.

Gesundheit und Führung lassen sich damit kaum voneinander trennen.

Prävention entscheidet mit, ob Menschen gesund bis zur Rente arbeiten können

Prävention im Unternehmen wird häufig mit einzelnen Gesundheitsangeboten verbunden: Gesundheitstage, Rückenkurse, Ernährungsvorträge oder Resilienzseminare.

Solche Angebote können sinnvoll sein. Entscheidend ist allerdings, Gesundheit im Unternehmen nicht als Sammlung einzelner Maßnahmen zu verstehen. Warum Gesundheit im Unternehmen kein Einzelprojekt mehr ist, habe ich bereits in einem weiteren Beitrag im MDL Magazin beschrieben.

Arbeitsfähigkeit entsteht aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Arbeitsorganisation und Führung gehören ebenso dazu wie individuelle Lebensführung, Ernährung, Bewegung und Regeneration. Auch Schlaf, Stressregulation und die Möglichkeit, sich nach Belastungsphasen tatsächlich zu erholen, beeinflussen die verfügbaren Ressourcen.

Unternehmen können den Lebensstil ihrer Beschäftigten nicht steuern. Sie können jedoch Rahmenbedingungen schaffen, die gesundes Verhalten erleichtern oder erschweren.

Eine Führungskultur mit permanenten Unterbrechungen, unnötigen Abendterminen und ständig wechselnden Prioritäten erzeugt andere Voraussetzungen als eine Organisation, in der Arbeitsphasen, Verantwortlichkeiten und Erwartungen klar geregelt sind.

Prävention beginnt damit auch in Kalendern, Besprechungskulturen, Personalplanung und Führungsverhalten.

Gesund älter werden: Warum Wertschätzung und Erfahrung zählen

© Monkey Business Image \ Canva

Ein weiterer Befund des DAK-Gesundheitsreports verdient Beachtung. Ältere Beschäftigte wünschen sich vor allem mehr Anerkennung ihrer Arbeitsleistung: 40 Prozent der über 50-Jährigen fordern das, 36 Prozent wünschen sich eine stärkere Nutzung ihres Erfahrungswissens. Wer diese Wertschätzung im Arbeitsalltag vermisst, denkt deutlich häufiger über einen vorzeitigen Ausstieg nach – 55 Prozent gegenüber 49 Prozent bei hoher Anerkennung.

Für Unternehmen sind das keine weichen Faktoren – sie wirken sich messbar auf Bindung und Fluktuation aus.

Wer über Jahrzehnte Wissen aufgebaut hat und zunehmend den Eindruck gewinnt, dass Erfahrung weniger zählt, wird sich mit der Frage beschäftigen, wie lange er oder sie unter diesen Bedingungen weiterarbeiten möchte.

Führung beeinflusst damit auch die Bereitschaft älterer Beschäftigter, im Unternehmen zu bleiben.

Wertschätzung bedeutet dabei mehr als gelegentliches Lob. Sie zeigt sich darin, ob Erfahrung gehört wird, ob Beschäftigte Gestaltungsspielraum haben, ob Wissen gezielt weitergegeben werden kann und ob Veränderungen gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden, die Prozesse seit Jahren kennen.

Gesund bis zur Rente braucht einen früheren Blick auf Leistungsfähigkeit

Die Diskussion über längere Lebensarbeitszeiten greift zu kurz, wenn ausschließlich über ein Renteneintrittsalter gesprochen wird.

Entscheidend ist die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen dieses Alter arbeitsfähig erreichen.

Für Unternehmen beginnt diese Aufgabe Jahre oder Jahrzehnte vorher.

Wer dauerhaft mit zu wenig Regeneration arbeitet, Belastungssignale ignoriert und Gesundheit erst dann zum Thema macht, wenn Beschwerden oder längere Fehlzeiten auftreten, verschenkt wertvolle Zeit.

Das gilt für Beschäftigte ebenso wie für Führungskräfte.

Gerade Führungskräfte ab 45 sollten deshalb ihre eigene Leistungsfähigkeit nicht ausschließlich daran messen, ob sie ihren Arbeitsalltag noch bewältigen. Interessanter ist, wie stabil Energie, Konzentration, Schlaf, Belastbarkeit und Regeneration tatsächlich sind.

Dort liegen häufig die ersten Hinweise darauf, ob Leistungsfähigkeit langfristig tragfähig bleibt.

Gesunde Leistungsfähigkeit ist Zukunftssicherung

Die Frage, ob Menschen gesund bis zur Rente arbeiten können, gehört deshalb auf die Agenda von Geschäftsleitungen, Führungskräften und Personalverantwortlichen.

Es geht um Fachkräfte, Erfahrungswissen, Krankenstände, Motivation und wirtschaftliche Stabilität. Gleichzeitig geht es um Menschen, die einen erheblichen Teil ihres Lebens im Beruf verbringen. Unternehmen können sehr viel früher erkennen, wo Belastungen entstehen und welche Rahmenbedingungen Leistungsfähigkeit fördern. Auch jeder Einzelne kann früher hinschauen: auf die eigene Energie, die Qualität der Erholung und die Belastungen, die im Alltag längst zur Gewohnheit geworden sind. Gesundes Älterwerden beginnt lange vor dem Ruhestand. Und für Unternehmen beginnt Zukunftsfähigkeit lange vor dem nächsten Krankenstand.

Wie stabil ist Ihre eigene Leistungsfähigkeit schon heute – damit Sie gesund bis zur Rente arbeiten können?

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Sigrid Strauß ist Expertin für mentale Leistungsfähigkeit und starkes Immunsystem. Sie arbeitet mit Entscheidungsträgern, für die persönliche Stabilität die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Erfolg ist. Dabei schöpft sie aus einem einzigartigen Mix: Langjährige eigene Führungstätigkeit trifft auf fundiertes Fachwissen in der Darmgesundheit, Ernährungsberatung und Resilienz. Statt kurzfristiger Maßnahmen setzt sie auf alltagstaugliche Strukturen, die den Körper von innen stärken und den Geist für komplexe Herausforderungen klären. Ihre Botschaft: „Gesundheit ist kein privates Hobby, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Wer gesund führen will, muss die Biologie der Leistungsfähigkeit verstehen.“

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