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Gesichtersprache: Was das Gesicht über die richtige Position verrät

Der falsch geschnittene Stuhl

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Warum manche Position niemandem passt und was die Gesichtersprache darüber verrät

Ein internes Bewerbungsgespräch vor ein paar Jahren: Auf der einen Seite des Tisches eine Bewerberin, auf der anderen der Abteilungsleiter, ihr möglicher künftiger Vorgesetzter. Irgendwann fällt ein Satz, den er wahrscheinlich längst vergessen hat: Reports und Statistiken gehörten zu seinen Aufgaben, und er würde sie am liebsten abgeben. Sie langweilten ihn zu Tode.

Nachfragen war nicht nötig. Sein Gesicht hatte es bereits gezeigt. Genau hier kann Gesichtersprache Hinweise liefern, die in keinem Lebenslauf zu finden sind.

Eine hohe, weit gewölbte Stirn, als trüge er sein eigenes Vision-Board mit sich herum. Weit auseinander liegende Augen, der Blick eines Menschen, der das große Ganze sieht, bevor er die Einzelteile bemerkt. Ein Kinn, das Beharrlichkeit signalisiert. Ein Visionär und Analytiker, der in Bildern denkt und den Dingen gerne auf den Grund geht. Was in diesem Gesicht nicht stand: Freude an Routine. Freude am Detail.

Besetzt wurde die Stelle anders. Und auch für die Bewerberin wäre sie die falsche gewesen; Reports und Statistiken lagen ihr ebenso wenig. Der Abteilungsleiter selbst blieb nicht lange auf seiner Position und wechselte in eine andere Abteilung.

Zwei Menschen, dieselbe Rolle, dasselbe Ergebnis. Das ist der Punkt, an dem die üblichen Erklärungen aufhören zu funktionieren.

Gesichtersprache und die Frage, die zu selten gestellt wird

Wenn eine Position nicht funktioniert, sucht ein Unternehmen zuerst beim Menschen. War die Auswahl falsch? Fehlt Erfahrung? Passt die Persönlichkeit nicht zum Team?

Seltener wird gefragt, ob überhaupt ein Mensch existiert, dem diese Rolle passen könnte.

Stellen entstehen nicht am Reißbrett der Eignung. Sie entstehen historisch. Jemand geht, seine Aufgaben werden verteilt. Ein Bereich wächst, ein neuer Titel wird gebraucht. Etwas bleibt übrig und wird angehängt, weil es sonst niemand macht. So wandern strategische Entwicklung und monatliche Statistik in dieselbe Stellenbeschreibung. Dies geschieht nicht aus fachlicher Logik, sondern aus Organisationsgeschichte.

Anschließend wird nach einem Menschen gesucht, der beides gleich gut und gleich gerne tut. Es gibt ihn selten. Und wenn er gefunden wird, tut er eine der beiden Aufgaben mit angezogener Handbremse.

Kompetenz ist nicht Neigung

Der Abteilungsleiter aus dem Bewerbungsgespräch konnte Reports erstellen. Es fehlte ihm nicht an Fähigkeit, sondern an Antrieb. Genau diese Unterscheidung geht in Auswahlverfahren regelmäßig verloren.

Ein Lebenslauf zeigt, was ein Mensch gelernt hat. Ein Zeugnis zeigt, was er geleistet hat. Beide zeigen nicht, was ihn Kraft kostet und was ihm Kraft gibt.

Diese Differenz ist teuer. Sie zeigt sich nicht am ersten Tag, sondern nach Monaten: In Aufgaben, die sich verschieben. In Projekten, die glänzen, während die Routine liegen bleibt. In einem Menschen, der fachlich unangreifbar ist und trotzdem geht.

Was Gesichtersprache bei der Stellenbesetzung beitragen kann

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In der Gesichtslehre werden Gesichtsmerkmale mit individuellen Anlagen und Präferenzen in Verbindung gebracht. Die Gesichtersprache betrachtet dabei nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Zusammenspiel verschiedener Merkmale.

Sichtbar werden dabei Tendenzen, die in keinem Lebenslauf stehen: ob jemand eher schnell und intuitiv oder bedacht und prüfend entscheidet. Ob er Weite braucht oder Struktur. Ob er Verantwortung übernimmt, indem er vorangeht, oder indem er den Rahmen hält, in dem andere vorangehen.

Für die Besetzung einer Stelle verschiebt das die Frage. Nicht mehr nur: Was kann diese Person? Sondern: Unter welchen Bedingungen kann sie ihre Fähigkeiten überhaupt einsetzen?

Und ein Schritt davor, noch vor jedem Bewerbungsgespräch: Verlangt diese Rolle Bedingungen, die einander ausschließen?

Gesichtersprache ist kein Ersatz für das Gespräch

Gesichtersprache darf nicht zur nächsten Typologie werden.

Ein breites Kinn macht noch keine Führungskraft. Große Augen machen niemanden automatisch kommunikativ. Und kein Merkmal ersetzt Qualifikation, Erfahrung oder ein persönliches Gespräch. Professionelle Gesichtsinterpretation betrachtet immer das Gesamtbild. Sie liefert Hinweise und eröffnet Fragen, fällt aber keine fertigen Urteile.

Gerade beim Teamaufbau ist diese Unterscheidung entscheidend. Es geht darum, dass wir genauer hinzusehen, welche unterschiedlichen Potenziale vorhanden sind und ob die Rolle, die zu vergeben ist, diesen Potenzialen überhaupt Raum lässt.

Ein Team braucht Unterschiede und Rollen, die sie zulassen. Ein leistungsfähiges Team besteht nicht aus Menschen, die möglichst ähnlich funktionieren. Es braucht Personen, die schnell entscheiden, und solche, die sorgfältig prüfen. Menschen, die vorangehen, und andere, die im Hintergrund Strukturen schaffen.

Nur nützt diese Vielfalt wenig, wenn die Stellen so geschnitten sind, dass jede von ihnen den ganzen Menschen verlangt und dann doch nur die Hälfte gebraucht wird.

Das verändert auch den Blick auf vermeintlich schwierige Mitarbeiter. Vielleicht fehlt nicht Motivation, sondern Gestaltungsspielraum. Möglicherweise ist jemand nicht zu langsam, sondern seine Gründlichkeit an dieser Stelle nicht gefragt. Eventuell mangelt es nicht an Teamfähigkeit, sondern an eigenständiger Arbeit. Wer Unterschiede erkennt, muss Menschen weniger passend machen.

Fazit: Die richtige Position beginnt vor der Personalauswahl

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Die Frage beim Teamaufbau lautet üblicherweise: Wer ist die richtige Person für diese Position? Die ehrlichere Frage kommt einen Schritt früher: Ist diese Position so geschnitten, dass irgendein Mensch sie gerne ausfüllen kann? Ein Lebenslauf zeigt, was jemand gelernt hat. Die Gesichtersprache kann Hinweise darauf geben, unter welchen Bedingungen er es einsetzen kann.

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Sabine Wien ist Expertin für bewusste Wahrnehmung und Ausbilderin für professionelle Gesichtsinterpretation. Sie erkennt und benennt, was Menschen prägt, blockiert oder antreibt anhand der Sprache der Gesichter.

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