Lifestyle
Simon Marchner und die Kunst, Musik sichtbar zu machen
Wie aus Musik Kunst wird und Konzertplakate Geschichten erzählen
Was als Leidenschaft für Musik und Grafikdesign begann, führte Simon Marchner zu internationalen Bands wie den Rolling Stones und den Foo Fighters. Mit seiner Ausstellung „Amplified“ kehrt der gebürtige Eggenfeldener in seine Heimatregion zurück und zeigt, wie aus Musik ausdrucksstarke Kunstwerke entstehen.
Seine ersten Konzertplakate gestaltete und druckte Simon Marchner in Anzenkirchen selbst. Heute arbeitet der Grafikdesigner für international bekannte Bands. Im Gotischen Kasten in Eggenfelden präsentiert er mit „Amplified“ eine Auswahl seiner Arbeiten aus mehr als zehn Jahren. Seine Plakate sind dabei weit mehr als bloße Ankündigungen: Sie fangen die Stimmung einer Band ein und machen Musik visuell erlebbar.
Bei der Vernissage begrüßte Oliver Kastenhuber vom Kulturverein Eggenfelden die Gäste. Er hob die besondere Verbindung von Musik und visueller Kunst hervor, die Marchners Arbeiten prägt. Auch Larissa Hausberger, stellvertretende Landrätin des Landkreises Rottal-Inn, würdigte den Künstler aus der Region, der seinen Weg bis zu international bekannten Bands gefunden hat, ohne seine Heimat zu vergessen.
Ein Konzertposter soll ein Gefühl vermitteln

Foto: Maren K.
Die Plakate von Simon Marchner sind keine gewöhnlichen Werbeplakate. Sie hängen nicht einfach an der Straße, um ein Konzert anzukündigen. Die Arbeiten werden am Merchandise-Stand verkauft und sind für die Fans als Erinnerungsstücke an einen Konzertabend gedacht.
„Es geht eher darum, ein Gefühl von der Musik der Band zu erzeugen“, erklärt Marchner bei der Ausstellungseröffnung. Nicht unbedingt der Bandname oder die Konzertdaten stehen im Mittelpunkt. Vielmehr geht es darum, die Stimmung und den Charakter einer Band in ein Bild zu übersetzen.
Wie er dabei vorgeht, ist jedes Mal ein eigener Prozess. Marchner hört sich die Musik an, beschäftigt sich mit der jeweiligen Band und probiert unterschiedliche Richtungen aus. Er tastet sich an eine Idee heran, verwirft Ansätze und entwickelt das Motiv weiter. Dabei beginnt er selten ganz von vorn. Erfahrungen aus früheren Arbeiten helfen ihm, neue Ideen zu entwickeln.
So entstehen Poster, die nicht nur an ein Konzert erinnern, sondern auch unabhängig davon als eigenständige Kunstwerke funktionieren.
Von der Garage zu internationalen Bands

Foto: Maren K.
Die ersten Arbeiten entstanden für befreundete Bands. Während seines Studiums in München brachte sich Marchner den Siebdruck näher und baute nach und nach sein eigenes Equipment auf. Vieles war zunächst improvisiert. Er kaufte Materialien gebraucht, experimentierte mit einfachen Hilfsmitteln und belichtete seine Druckvorlagen sogar in der Badewanne.
Aus diesen Anfängen entwickelte sich über die Jahre eine Arbeit für internationale Namen wie die Rolling Stones, die Foo Fighters und die Smashing Pumpkins. Was einst als Do-it-yourself-Projekt begann, ist heute ein fester Bestandteil seiner kreativen Arbeit.
Dass seine Werke nun in Eggenfelden gemeinsam zu sehen sind, freut ihn besonders. Solche Möglichkeiten, die eigenen Arbeiten in großzügigen Räumen zu präsentieren, gebe es nicht oft. Die Ausstellung macht seine Entwicklung sichtbar und zeigt, wie sich aus ersten Experimenten eine eigene gestalterische Handschrift entwickelt hat.
Warum Handarbeit für ihn so wichtig ist

Foto: Maren K.
Ein großer Teil seiner Arbeiten entsteht im Siebdruck. Dabei wird die Farbe mithilfe eines Siebes von Hand auf das Papier übertragen. Jede Farbe wird einzeln gedruckt. Das ist aufwendig und beeinflusst bereits den Entwurf. Deshalb arbeitet Marchner häufig mit einer reduzierten Farbpalette.
Die Plakate erscheinen meist in Auflagen von etwa 100 bis 200 Exemplaren und werden teilweise von Hand gedruckt. Hinter jedem Motiv stecken viele Überlegungen und Arbeitsschritte. Genau das macht für Marchner den Unterschied.
In einer Zeit, in der Bilder immer schneller entstehen, möchte er sich bewusst Zeit für seine Arbeit nehmen. Es geht ihm nicht darum, möglichst schnell etwas zu produzieren. Er möchte etwas gestalten, das eine eigene Idee hat und länger Bestand bleibt.
Seine Antwort auf künstliche Intelligenz

Foto: Maren K.
Dass künstliche Intelligenz die Kreativbranche verändert, beschäftigt auch Marchner. Im Interview erzählt er offen, dass ihn die Entwicklung im vergangenen Jahr durchaus verunsichert habe. Zeitweise habe er sich gefragt, ob ihn das alles überrollen könnte. Inzwischen hat er für sich einen Weg gefunden, damit umzugehen.
„Weniger schnelle Werbung, sondern langfristig gedachte Kunst“, beschreibt er seinen Ansatz.
Statt sich auf immer schnellere Werbegrafiken zu konzentrieren, möchte er den Fokus stärker auf seine Kunst und sein Handwerk legen. Seine Arbeiten werden von ihm selbst entworfen und entstehen in einem Prozess, bei dem die Auseinandersetzung mit der Musik und die eigenen Ideen eine zentrale Rolle spielen.
Dabei geht es ihm nicht um absolute Perfektion. Auch menschliche Spuren und kleine Unregelmäßigkeiten gehören für ihn dazu. Entscheidend ist, dass sich jemand Gedanken gemacht hat und hinter einem Werk mehr steckt als ein schnell erzeugtes Bild.
Marchner sieht darin einen bewussten Gegenpol zur schnelllebigen Bilderwelt. Seine Arbeiten sollen zeigen, dass Kreativität Zeit braucht und dass es einen Unterschied macht, ob etwas einfach generiert oder mit einer eigenen Idee und handwerklichem Können gestaltet wird.
Wenn die Musik längst verklungen ist

Foto: Maren K.
Mit „Amplified“ kehrt Simon Marchner an einen Ort zurück, der nicht weit von seinen Anfängen entfernt ist. Von der Garage seiner Eltern führte ihn sein Weg nach München und schließlich in die internationale Musikwelt. Nun können Besucherinnen und Besucher in Eggenfelden einen Blick auf diese Entwicklung werfen.
Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich Musik visuell interpretiert werden kann und wie viel persönliche Arbeit hinter einem Konzertposter steckt. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt nicht nur bekannte Bandnamen, sondern auch unterschiedliche Stimmungen, Ideen und gestalterische Ansätze.
Ein Konzert dauert nur wenige Stunden. Ein gutes Poster kann die Erinnerung daran noch lange bewahren. Genau darin liegt die besondere Idee hinter Marchners Arbeit: Musik nicht einfach abzubilden, sondern sie auf eine eigene Weise sichtbar zu machen.
Die Ausstellung „Amplified“ von Simon Marchner ist noch bis zum 18. Oktober im Gotischen Kasten in Eggenfelden zu sehen.
Chefredakteurin MDL Magazin Seit über 20 Jahren arbeitet Maren-Florence Klump als Journalistin. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Menschen interviewt, spannende Persönlichkeiten getroffen und Unternehmen auf ihren ganz unterschiedlichen Wegen begleitet. Dabei interessiert sie sich nicht nur für das Sichtbare, sondern vor allem für die Geschichten dahinter: Was treibt Menschen an? Was macht Persönlichkeiten und Unternehmen besonders? Und welche Erfahrungen und Impulse können andere daraus mitnehmen? Mit ihrer journalistischen Erfahrung, ihrer Neugier und ihrem Gespür für besondere Geschichten gestaltet Maren-Florence Klump als Chefredakteurin die redaktionelle Ausrichtung des MDL Magazins und begleitet dessen Weiterentwicklung.

