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Wenn Erfolg nicht mehr alles ist
Verona Pooth, Sabine Lisicki und weitere Persönlichkeiten über Erfolg und neue Perspektiven auf Sylt
Was bedeutet Erfolg, wenn man bereits viel erreicht hat? Und was bleibt, wenn berufliche Titel, öffentliche Anerkennung oder sportliche Erfolge an Bedeutung verlieren? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die zweiten New Perspective Days, zu denen Schauspielerin und Unternehmerin Vivien Wulf vom 11. bis 14. Oktober 2026 in den Lanserhof Sylt eingeladen hatte. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Sport und Medien sprachen über Leistungsdruck, persönliche Wendepunkte und die Frage, was im Leben wirklich zählt.
Mit dabei waren unter anderem Verona Pooth, die ehemalige Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki, PUMA-CEO Arthur Höld, Unternehmerin Tijen Onaran, FC-Basel-Präsident David Degen und der ehemalige Regierungssprecher Béla Anda.
Hinter den Kulissen des Erfolgs
Foto: Andreas Rentz / Getty Images
Gastgeberin Vivien Wulf möchte mit dem Format einen Raum schaffen, in dem nicht nur Erfolge präsentiert, sondern auch Zweifel und persönliche Erfahrungen geteilt werden. „Je höher man steigt, desto leiser wird der Widerspruch“, erklärte sie. Wer nur noch Zustimmung erfahre, verliere irgendwann die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.
Auf Sylt hätten Menschen zusammengesessen, die alles erreicht hätten, was sich messen lasse. Gesprochen hätten sie jedoch über das, was sich nicht messen lasse. Genau darum gehe es bei den New Perspective Days: Menschen, die es gewohnt seien, Antworten zu geben, sollten wieder anfangen, Fragen zu stellen.
Verona Pooth: Wenn Erfolg seinen Preis hat
Verona Pooth sprach offen über den hohen Einsatz, den ihre Karriere über viele Jahre erforderte. Zehn bis 15 Jahre lang habe sie häufig maximal fünf Stunden pro Nacht geschlafen.
„Das ging eigentlich nur, indem ich aus einem Tag zwei gemacht habe“, erzählte sie rückblickend.
Heute stellt sie infrage, ob beruflicher Erfolg tatsächlich der wichtigste Maßstab sein sollte. „Erwachsene müssen ja nicht immer nur Erfolg vorweisen, um jemand zu sein. Das ist ja nicht das höchste Streben, immer erfolgreich zu sein.“
Sabine Lisicki: Der Mut zum Comeback
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Der Weg von Sabine Lisicki an die Weltspitze war von großen Herausforderungen geprägt. Ihre Familie legte rund 250.000 Kilometer in einem Nissan Micra zurück, um sie zu Turnieren zu bringen. Für die Australian Open 2008 lieh sich ihr Vater Geld. Lisicki qualifizierte sich und besiegte dort die damalige Nummer 15 der Weltrangliste.
Nach einer schweren Verletzung im Jahr 2010 fiel sie bis auf Platz 230 zurück. Viele zweifelten an ihrer Rückkehr. Lisicki ließ sich davon nicht aufhalten: „Die Medien und alle anderen haben gesagt: Warum macht sie sich überhaupt die Mühe, zurückzukommen? Keiner hat daran geglaubt. Es war mir herrlich egal, weil ich wusste: Ich komme zurück.“
Für sie ist Erfolg mehr als ein Titel: „Jeder sollte für sich entscheiden, was Erfolg ist. Mein Weg war deutlich länger, steiler und schwieriger als der von Spielerinnen, die einen Tennisplatz im Garten hatten. Und ich habe es trotzdem geschafft. Erfolg misst sich nicht nur an Titeln.“
Arthur Höld über Veränderung und Verantwortung
Nach 26 Jahren bei Adidas steht Arthur Höld inzwischen an der Spitze von PUMA. Ein solcher Wechsel sei auch emotional eine Herausforderung. „Wenn du so lange bei einem Unternehmen bist und dich so stark mit der Marke identifizierst, sehen dich alle – deine Kinder, deine Freunde – als Mr. Adidas. 26 Jahre stellst du nicht einfach weg. Das ist Teil des Lebens und wird es immer sein.“
Höld sprach außerdem über seine Elternzeit bei Adidas: „Ich habe es getan, weil es für mich und meine Familie wichtig war – und im Nachhinein festgestellt, dass es für andere auch wichtig ist.“
Tijen Onaran und David Degen über ihren persönlichen Erfolg
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Unternehmerin Tijen Onaran betonte, wie wichtig Chancen und unterschiedliche Lebenswege sind. „Ich finde, es ist das schönste Land der Welt – weil ich die Möglichkeit hatte, meine Aufstiegsgeschichte zu schreiben. Das haben wir in Deutschland vergessen“, sagte sie über Deutschland.
David Degen, Präsident des FC Basel, kennt dagegen die schnellen Stimmungswechsel im Profifußball. „Im Fußball wirst du einen Tag gefeiert und am nächsten Tag infrage gestellt. Damit musst du umgehen können“, erklärte er.
Für ihn gehört Verantwortung zum Erfolg: „Wenn wir gewinnen, gehört der Erfolg der Mannschaft. Wenn es nicht läuft, gehört die Verantwortung mir. So verstehe ich meine Rolle.“ Entscheidend sei außerdem, Menschen positiv mitzunehmen.
Béla Anda: Wenn plötzlich Stille einkehrt
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Der ehemalige Regierungssprecher Béla Anda erlebte, wie abrupt sich das Leben nach dem Ende einer verantwortungsvollen Position verändern kann. Während seiner Amtszeit klingelte sein Telefon rund um die Uhr. Nach seinem Ausscheiden wurde es plötzlich still.
„Am Anfang konnte ich das gar nicht verstehen: Mein Telefon hat 24/7 geklingelt – und dann klingelt es überhaupt nicht mehr. Nach zwei Monaten habe ich gedacht, das ist kaputt“, erzählte Anda.
Statt an Vergangenem festzuhalten, wollte er offen für neue Möglichkeiten bleiben: „Ich wollte, dass mein Leben nach vorne offen bleibt.“ Seine Geschichte zeigt, dass ein beruflicher Wendepunkt auch den Blick auf neue Wege öffnen kann.
Mehr als funktionieren
Der Psychologe und Mentalcoach Jens Corssen richtete den Blick auf Menschen, die dauerhaft unter Leistungsdruck stehen. „Das Gehirn weiß nicht, was Glück ist oder eine gute Ehe. Das Gehirn weiß nur eins: überleben“, erklärte er.
Viele Führungskräfte seien so sehr mit dem Funktionieren beschäftigt, dass selbst Erholu
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ng schwerfalle. Corssens Gegenentwurf: „Ich will mehr als überleben – ich will auch erleben.“
Auch Gesundheit und neue Perspektiven gehörten zu den Gesprächen. Kardiologe Dr. Jan Stritzke mahnte beim Thema gesundes Altern: „Nicht jeder muss Kälte machen, nicht jeder muss eine Handvoll Pillen nehmen. Jeder altert anders.“
Bastienne Früh, Geschäftsführerin von Podstars by OMR, hob die Bedeutung persönlicher Beziehungen hervor: „Podcasts sind das einzige Medium unserer Zeit, in dem Beziehung wirklich funktioniert. Menschen folgen Menschen.“
Neue Perspektiven, die bleiben
Im Mittelpunkt der New Perspective Days stand nicht die Inszenierung von Erfolg, sondern der ehrliche Austausch über persönliche Erfahrungen, Rückschläge und neue Perspektiven. Die Geschichten der Gäste zeigten, dass Erfolg weit mehr bedeutet als Titel, Zahlen oder öffentliche Anerkennung.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke des Formats: Menschen zusammenzubringen, die viel erreicht haben – und trotzdem bereit sind, ihre bisherigen Maßstäbe zu hinterfragen.
Chefredakteurin MDL Magazin Seit über 20 Jahren arbeitet Maren-Florence Klump als Journalistin. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Menschen interviewt, spannende Persönlichkeiten getroffen und Unternehmen auf ihren ganz unterschiedlichen Wegen begleitet. Dabei interessiert sie sich nicht nur für das Sichtbare, sondern vor allem für die Geschichten dahinter: Was treibt Menschen an? Was macht Persönlichkeiten und Unternehmen besonders? Und welche Erfahrungen und Impulse können andere daraus mitnehmen? Mit ihrer journalistischen Erfahrung, ihrer Neugier und ihrem Gespür für besondere Geschichten gestaltet Maren-Florence Klump als Chefredakteurin die redaktionelle Ausrichtung des MDL Magazins und begleitet dessen Weiterentwicklung.
