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Vom Experten zur Führungskraft

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Vom Experten zur Führungskraft: Fachlich top – Führung flop?

Vom Experten zur Führungskraft – für viele ist das ein großer beruflicher Schritt. Endlich mehr Verantwortung, mehr Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen.

Doch mit der neuen Position verändert sich auch die Aufgabe grundlegend.

Denn wer fachlich hervorragend ist, steht trotzdem vor einer neuen Aufgabe: Menschen zu führen, unter Druck zu entscheiden und Verantwortung abzugeben. Und dabei nicht aus den Augen zu verlieren, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll.

Genau hier entsteht eine Lücke, auf die viele berufliche Laufbahnen nicht vorbereiten.

Vom Experten zur Führungskraft: Fachkompetenz allein reicht nicht

Vom Experten zur Führungskraft

© Erwin Bosman

Ein hervorragender Arzt muss nicht automatisch wissen, wie er ein Praxisteam führt. Eine fachlich starke Ingenieurin kann mit der Führung eines Teams vor ganz anderen Herausforderungen stehen als mit einem technischen Problem. Und ein erfolgreicher Anwalt muss plötzlich nicht nur Mandanten beraten, sondern auch Mitarbeitende entwickeln, Konflikte lösen und wirtschaftliche Entscheidungen treffen.

Die fachliche Expertise war häufig der Grund dafür, dass jemand mehr Verantwortung bekommen hat. Doch Führung funktioniert nach anderen Regeln als Facharbeit.

Als Fachexperte ist es entscheidend, selbst gute Ergebnisse zu liefern. Als Führungskraft geht es zunehmend darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen andere Menschen gute Ergebnisse erzielen können. Die eigene Leistung bleibt wichtig, aber sie ist nicht mehr der einzige Maßstab.

Was schwache Führung bewirkt, zeigt der Gallup Engagement Index Deutschland 2024: Nur etwa jede fünfte beschäftigte Person (21 Prozent) bringt ihrer direkten Führungskraft volles Vertrauen entgegen. 2022 waren es noch 41 Prozent. Gute Führung entsteht also nicht automatisch mit der Beförderung, sie muss entwickelt werden.

Selbstführung: Die eigene Rolle bewusst führen

Der erste Schritt vom Experten zur Führungskraft beginnt nicht beim Team, sondern bei der eigenen Person.

Wie werden Entscheidungen getroffen, wenn Informationen fehlen? Wie gelingt der Umgang mit Druck und Unsicherheit? Fällt es leicht, Verantwortung abzugeben? Wie wird reagiert, wenn jemand die eigenen Erwartungen nicht erfüllt?

Gerade fachlich starke Menschen haben häufig gelernt, Probleme selbst zu lösen. Das hat sie erfolgreich gemacht. In einer Führungsposition kann genau dieses Verhalten jedoch zum Problem werden. Wer jede Entscheidung selbst trifft, jede Aufgabe kontrolliert und bei Schwierigkeiten sofort eingreift, bleibt schnell im operativen Geschäft gefangen.

Führung bedeutet deshalb auch, die eigenen Gewohnheiten zu überprüfen und eine neue Rolle anzunehmen.

Vom Experten zur Führungskraft: Menschen lassen sich nicht wie Fachaufgaben führen

Eine technische Aufgabe lässt sich analysieren, lösen und überprüfen. Bei Menschen funktioniert das anders.

Mitarbeitende bringen unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen, Persönlichkeiten und Motivationen mit. Führungskräfte müssen deshalb kommunizieren, Orientierung geben, Feedback einholen und auch schwierige Situationen ansprechen. Dazu gehört, Erwartungen klar zu formulieren, Verantwortung zu übertragen und Konflikte nicht unnötig lange laufen zu lassen.

Besonders anspruchsvoll wird es, wenn die Führungskraft selbst aus dem Team kommt. Aus ehemaligen Kolleginnen und Kollegen werden plötzlich Mitarbeitende. Entscheidungen müssen getroffen werden, die nicht jedem gefallen. Nähe und professionelle Distanz müssen neu austariert werden.

Das lässt sich nicht allein durch fachliches Wissen lösen.

Unternehmensführung: Vom eigenen Fachgebiet zum großen Ganzen

Für Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer kommt eine weitere Ebene hinzu. Wer ein Unternehmen führt, kann sich nicht dauerhaft ausschließlich auf das eigene Fachgebiet konzentrieren. Neben Mitarbeitenden und Kunden spielen auch Prozesse, wirtschaftliche Ziele, Strukturen und die zukünftige Entwicklung des Unternehmens eine Rolle.

Im Alltag ist das jedoch nicht immer einfach. Das Tagesgeschäft fordert Aufmerksamkeit, Probleme müssen gelöst werden, Mitarbeitende benötigen Unterstützung und Entscheidungen warten.

So entsteht schnell ein Muster: Die Führungskraft arbeitet immer mehr im Unternehmen, statt ausreichend am Unternehmen zu arbeiten.

Der Schritt vom Experten zur Führungskraft bedeutet deshalb auch, den eigenen Blickwinkel zu erweitern.

Wenn die Führungskraft selbst zum Engpass wird

Vom Experten zur Führungskraft

© Erwin Bosman

Fachlich starke Führungskräfte übernehmen häufig besonders viel Verantwortung. Sie wissen, wie Dinge funktionieren, erkennen Fehler schnell und können Probleme selbst lösen. Das ist zunächst eine Stärke.

Doch wenn die Führungskraft deshalb jede Entscheidung an sich zieht, Aufgaben nicht abgibt oder ständig korrigiert, entsteht ein Kreislauf:

  • Die Mitarbeitenden übernehmen weniger Verantwortung.
  • Die Führungskraft muss noch mehr kontrollieren.
  • Die eigene Belastung steigt weiter.

Irgendwann wird die Führungskraft selbst zum Engpass. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr:

„Wie lässt sich diese Aufgabe schneller selbst lösen?“

Sondern:

„Was muss sich verändern, damit das Team diese Aufgabe selbstständig und zuverlässig lösen kann?“

Genau an diesem Punkt beginnt echte Führung.

Vom Experten zur Führungskraft: Führung muss nicht angeboren sein

Niemand muss bereits alles können, nur weil er eine Führungsposition übernimmt. Führungskompetenz lässt sich entwickeln. Entscheidend ist, die eigene Rolle bewusst anzunehmen und sich mit den Fähigkeiten auseinanderzusetzen, die dafür tatsächlich notwendig sind.

Dazu gehören Selbstführung, klare Kommunikation, Delegation, Konfliktfähigkeit, Entscheidungsstärke und ein Verständnis dafür, wie Menschen und Unternehmen funktionieren.

Fachlich top zu sein, ist eine Stärke. Aber Führung braucht mehr als Fachwissen.

Der Weg vom Experten zur Führungskraft bedeutet deshalb nicht, die eigene fachliche Kompetenz abzulegen. Es bedeutet, sie um etwas Entscheidendes zu erweitern: die Fähigkeit, sich selbst, andere Menschen und die eigene Verantwortung bewusst zu führen.

Weitere Informationen zu den Themen Führung und Businesscoaching finden Sie hier.

Titelbild © MATTUNDGLÄNZEND Fotografie

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Julia Carina ist Businesscoachin mit Schwerpunkt auf Führungskräfte-/ und Unternehmensentwicklung.

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