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Wie Rosenthal mit Suomi Designgeschichte schrieb
Wie Timo Sarpaneva mit Suomi die Welt des Porzellans neu dachte
Manche Designobjekte sind mehr als Gebrauchsgegenstände. Sie erzählen von einer Idee, einer Haltung und dem Anspruch, Ästhetik und Funktion miteinander zu verbinden. Das Porzellanservice Suomi von Rosenthal gehört zu diesen Klassikern. 2026 feiert der Entwurf sein 50-jähriges Jubiläum. Zugleich wäre sein Schöpfer, der finnische Designer Timo Sarpaneva, in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Zwei Anlässe, die zeigen, wie lange eine überzeugende Gestaltung wirken kann.
Inspiriert von der Natur Finnlands
Foto: Rosenthal
Als Suomi 1976 vorgestellt wurde, setzte das Service auf eine Formensprache, die sich bewusst von traditionellen Porzellanformen abhob. Sarpaneva ließ sich von Flusssteinen inspirieren, die über Jahre vom Wasser geglättet werden. Ihre organische Gestalt übertrug er auf das Geschirr: Die einzelnen Teile bewegen sich zwischen Kreis und Quadrat, mit weichen Konturen und einer zurückhaltenden, beinahe selbstverständlichen Eleganz.
Schon der Name verweist auf die Herkunft dieser Idee. Suomi bedeutet Finnland und steht damit auch für die nordische Designtradition, in der Natürlichkeit, Klarheit und Funktion eine wichtige Rolle spielen. Das Ergebnis wirkt weder streng noch dekorativ überladen. Stattdessen entsteht eine Form, die sich harmonisch in unterschiedliche Tischwelten einfügt – vom alltäglichen Frühstück bis zum festlich gedeckten Tisch.
Wenn Gestaltung und Handwerk zusammenfinden
Bis zur fertigen Kollektion vergingen fast vier Jahre Entwicklungsarbeit. Der Entwurf verlangte nicht nur ein überzeugendes gestalterisches Konzept, sondern auch eine präzise Umsetzung in Porzellan. Hier kam die Zusammenarbeit mit Rosenthal ins Spiel. Das Unternehmen verband Sarpanevas gestalterischen Anspruch mit seinem technischen Wissen und handwerklichen Können.
Auch der damalige Rosenthal-Designer und Unternehmer Philip Rosenthal vertrat die Idee, dass Technik dem kreativen Denken dienen sollte. Suomi wurde damit zu einem Beispiel dafür, wie aus einer ungewöhnlichen Vorstellung ein alltagstaugliches Designobjekt entstehen kann.
Sarpanevas eigener Anspruch war hoch. 1978 formulierte er: „Man muss nach vollkommener Perfektion und makelloser Vollkommenheit streben!“ Diese Haltung zeigt sich im Zusammenspiel von Form, Material und Funktion. Die Gestaltung sollte nicht allein auf den ersten Blick überzeugen, sondern sich auch im täglichen Gebrauch bewähren.
Vom Museum bis in die Kathedrale
Foto: Rosenthal
Suomi wurde von Beginn an nicht nur als Geschirr, sondern auch als Designentwurf wahrgenommen. 1976 wurde die Kollektion im Kunstmuseum Bonn präsentiert. Die Ausstellung eröffnete der damalige Bundespräsident Walter Scheel. Im selben Jahr folgten zehn weitere Ausstellungen in Deutschland. 1977 wurde das Design auch in Amsterdam, London, Mailand, Paris, Rom und Zürich gezeigt.
Ein besonderer Ort war 1978 die Krypta des Doms von Helsinki. Zehn Tage lang standen dort Skizzen, Formen und fertige Porzellanstücke im Mittelpunkt. Auf die Frage, wie Haushaltsgeschirr an einem sakralen Ort ausgestellt werden könne, antwortete Sarpaneva: „Arbeit ist eine heilige Sache.“
Auch international fand Suomi Anerkennung. Bereits 1976 erhielt der Entwurf die Goldmedaille des Präsidenten der Italienischen Republik in Faenza – eine bedeutende Auszeichnung im Bereich Keramik- und Porzellandesign.
Ein Klassiker für den gedeckten Tisch
Fünf Jahrzehnte nach seiner Einführung gehört Suomi weiterhin zum Sortiment von Rosenthal. Seine Beständigkeit liegt gerade darin, dass der Entwurf keiner kurzlebigen Mode folgt. Die organischen Konturen setzen einen Akzent, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Dadurch lässt sich das Service mit unterschiedlichen Farben, Materialien und Einrichtungsstilen kombinieren.
Das Jubiläum erinnert zugleich an Timo Sarpanevas besondere Fähigkeit, Alltägliches neu zu betrachten. Er nahm die Formen der Natur zum Ausgangspunkt und entwickelte daraus ein Design, das bis heute seinen Platz auf dem Tisch behauptet. Aus der Idee, die sanft geschliffenen Steine finnischer Flüsse in Porzellan zu übersetzen, wurde eine Designikone – und ein Beispiel dafür, dass zeitlose Gestaltung nicht laut sein muss, um in Erinnerung zu bleiben.
Chefredakteurin MDL Magazin Seit über 20 Jahren arbeitet Maren-Florence Klump als Journalistin. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Menschen interviewt, spannende Persönlichkeiten getroffen und Unternehmen auf ihren ganz unterschiedlichen Wegen begleitet. Dabei interessiert sie sich nicht nur für das Sichtbare, sondern vor allem für die Geschichten dahinter: Was treibt Menschen an? Was macht Persönlichkeiten und Unternehmen besonders? Und welche Erfahrungen und Impulse können andere daraus mitnehmen? Mit ihrer journalistischen Erfahrung, ihrer Neugier und ihrem Gespür für besondere Geschichten gestaltet Maren-Florence Klump als Chefredakteurin die redaktionelle Ausrichtung des MDL Magazins und begleitet dessen Weiterentwicklung.
