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Digitalen Nachlass regeln: Checkliste für den Ernstfall
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Stell dir vor, du stirbst plötzlich und dein digitaler Nachlass ist nicht geregelt
Immer mehr Menschen leben, arbeiten und kommunizieren digital — doch kaum jemand denkt daran, was mit diesem digitalen Leben, seinem digitalen Nachlass passiert, wenn plötzlich der Ernstfall eintritt. Fotos, Chats, Cloud-Speicher, Social-Media-Profile, E-Mail-Accounts, Online-Banking und sogar Abonnements bleiben oft ungeordnet zurück. Was für die meisten heute selbstverständlich erscheint, kann für die Hinterbliebenen morgen zu einem Albtraum werden.
Das unheimliche Erbe – Daten, die niemals sterben
Stell dir vor: Du stirbst plötzlich — durch Unfall, Krankheit oder unerwartet — und deine Familie blickt auf ein digitales Durcheinander, das niemand versteht oder bereinigen kann. Ohne klare Regelungen bleiben:
- Unzugängliche Konten und Passwörter, die niemand kennt, geschweige denn öffnen kann.
- Laufende Kosten für Streaming- oder Clouddienste, die weiter abgebucht werden, ohne dass jemand es bemerkt.
- „Geisterprofile“ in sozialen Netzwerken, die weiterhin automatisch Geburtstagserinnerungen verschicken oder Erinnerungen hervorrufen, die niemand sehen will.
Und das ist nicht nur emotional belastend für Angehörige — ohne Zugang zu Online-Bankkonten, E-Mail-Postfächern oder Sicherheitscodes könnten sogar finanzielle Werte verloren gehen oder rechtliche Probleme entstehen.
Warum dein digitales Erbe jetzt ein Thema sein muss
Wir erleben immer wieder: Nur ein verschwindend kleiner Teil der Menschen hat überhaupt Vorsorge für den digitalen Nachlass getroffen. Viele schließen die Augen vor diesem Thema – bis der Ernstfall eintritt.
Dabei gilt in Deutschland unabhängig von einer speziellen „digitalen Erbrechtsregelung“, dass digitale Vermögenswerte, Zugänge und vertragliche Verpflichtungen Teil des gesetzlichen Erbes werden können — wenn sie nicht vorher klar geregelt sind.
Doch rechtliche Hürden, AGB-Regeln von Online-Anbietern und fehlende Zugangsdaten erschweren den Zugriff selbst für die Erben erheblich – und emotional belastet die Situation Hinterbliebene zusätzlich, die ohnehin mit dem Verlust klarkommen müssen.
Die Gefahr: Daten, die niemand löschen oder kontrollieren kann
Ohne Planung bleibt fast alles erhalten. Bilder, Chats, Cloud-Archive, Online-Konten und selbst Verträge verfallen nicht automatisch. Erben müssen oft Sterbeurkunden vorlegen, um Zugriff zu erhalten — doch ohne Zugangsdaten kann das trotz aller Papiere nutzlos sein.
Viele Plattformen erlauben zudem nur bestimmte Zugriffsarten: Manche blockieren Konten komplett, andere versetzen sie in einen „Gedenkzustand“ — aber keiner löscht sie automatisch nach deinen Wünschen.
Wie du das Chaos verhinderst: Lösungen für den Ernstfall

Corinna Göring: Immer mehr Menschen leben, arbeiten und kommunizieren digital — doch kaum jemand denkt daran, was mit diesem digitalen Leben passiert, wenn plötzlich der Ernstfall eintritt
©Marco Göring
Doch es gibt Wege heraus aus dem digitalen Schlamassel – und sie sind überraschend umsetzbar:
- Erstelle ein digitales Inventar
Fang heute an, eine Liste aller deiner digitalen Accounts, Passwörter und Dienste zu erstellen:
- E-Mail, Social Media, Cloud-Speicher
- Online-Banking, Zahlungsdienste, Abonnements
- Geräte, Software, digitale Verträge
Diese Übersicht verschafft Klarheit für dich — und deine Erben.
- Nutze Tools zur sicheren Ablage
Speichere Zugangsdaten sicher, z.B. in Passwort-Managern oder verschlüsselten Dokumenten — im Idealfall mit einer Sicherheitskopie an einem sicheren Ort wie einem Bankschließfach.
- Bestimme eine Vertrauensperson
Ernenne jemanden, dem du vertraust, als digitalen Nachlassverwalter oder in einer Vorsorgevollmacht, die auch nach deinem Tod gilt.
- Setze klare Anweisungen
Lege schriftlich fest, was mit deinen Konten geschehen soll — etwa: löschen, archivieren, weitergeben. Diese Wünsche sollten Bestandteil deines Testaments oder eines digitalen Nachlassplans sein.
- Nutze Nachlassfunktionen der Anbieter
Viele Plattformen bieten heute Optionen an, ein „Nachlasskonto“ zu hinterlegen oder eine Kontaktperson zu bestimmen, die nach einem längeren Inaktivitätszeitraum Zugriff erhält.
Wer nicht vorsorgt, überlässt das Schicksal dem Zufall
Je digitaler unser Leben, desto mehr Spuren bleiben zurück — und desto größer ist das Risiko, dass diese Spuren zu einer Belastung für die Hinterbliebenen werden. Ohne Planung riskierst du:
- Verlorene Daten
- Unbeendete Kosten
- Rechtliche und emotionale Belastungen für deine Familie
Diese Szenarien sind vermeidbar – mit ein wenig Zeit und einer klaren Strategie.
Fazit: Jetzt handeln, bevor es zu spät ist
Die digitale Welt hört nicht auf, nur weil wir sterben. Aber sie sollte in deinem Sinne geordnet weiterexistieren — statt ein ungelöstes Rätsel für andere zu werden. Mit einfachen Schritten kannst du heute Vorsorge treffen, Klarheit schaffen und deine Hinterbliebenen schützen.
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Marco ist einer der Experten für Datenschutz und Vertrauensbildung bei der CORIDAS GmbH. Datenschutz schnell und umfassend aufbauen und nicht nur als rechtliche Pflicht sehen. Sein Fokus liegt darauf, Vertrauen bei Kunden und Mitarbeitern zu stärken und Organisationen dabei zu unterstützen, sich nachhaltig vom Mitbewerb abzuheben. Durch klare Standards, Transparenz und geprüfte Prozesse schafft er Orientierung und fördert professionelle Datenschutz-Compliance.

