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Dramadreiecke

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Dramadreiecke versus Leadership Excellence

No more drama, baby!

Besonders für Entscheider und Führungskräfte birgt das Thema „Dramadreiecke“ ein außerordentlich hohes Potenzial zur Verbesserung der Teamperformance und zur Lösung von Konflikten. Dramadreiecke beschreiben Beziehungsmuster zwischen mindestens zwei Personen, die darin folgende drei Rollen einnehmen können: Verfolger, Opfer und Retter.
Zwischen den Playern wirken Verhaltensstrategien und implizite Regeln aus der unbewussten Rollenerwartung heraus, die vom jeweiligen Vertreter durch die Wahl seiner Rolle unwillkürlich und gleichzeitig klar erkennbar befolgt werden.

Dramadreiecke: Vermeintliche Freunde und Feinde

Die Beteiligten übernehmen ihre Drehbücher aus einem regelrechten „Sog“ des systemischen Musters heraus. Sie spielen ihre Rollen meisterhaft und erhalten das unheilvolle Spiel wie ein Perpetuum Mobile aufrecht, manchmal bis zur totalen Eskalation. Auch in Medien und Politik werden solche Inszenierungen – für jeden aufmerksamen Betrachter verifizierbar – gerne zur „Meinungsbildung“ genutzt, indem absichtsvoll Freund- und Feindbilder kreiert werden. So geschieht das in der Regel, ohne dass diese subtilen Manipulationen den Zusehern bewusst werden. Das Verhängnisvolle an solchen Kammerspielen ist, dass die Rollen stets durch gegenseitige Abwertungen der Beteiligten bestimmt werden. Rollenmuster aus Dramadreiecken paaren sich und konkurrieren gleichzeitig mit persönlichen Mustern der Beteiligten. Innere Konflikte und negative Emotionen sind damit vorprogrammiert.

Was zuerst – Henne oder Ei?

In einem Dramadreieck gibt es meist keinen klar zu identifizierenden Einstieg und oft kein vor vorneherein feststehendes Ende. Eingenommene Positionen können innerhalb von Sekunden wechseln. So können Verfolger oder Retter plötzlich zu Opfern werden und umgekehrt.

Auch Eltern können von ihren Kindern leicht gegeneinander ausgespielt werden. Wenn zum Beispiel der Papa (Verfolger) dem Sohn (Opfer) Fernsehverbot wg. ungezogenem Verhalten erteilt, und die Mama gegenüber dem schluchzenden Kind die Entscheidung als „zu hart“ wieder aufhebt und so zum liebenswerten Retter mutiert. Kinder sind sensitiv und bekommen schnell mit, wie das Spiel funktioniert. Am Ende streiten sich nicht selten Mama und Papa und springen zwischen den Rollen munter hin und her, während der unschuldig dreinschauende Spross der innerlich lachende Dritte ist. Hier kann man den Kindern, die sich lediglich systemisch klug die Unbewusstheit ihrer Eltern zu Nutze machen, keinen Vorwurf machen. Es gilt, solche Spielchen zu erkennen und zu beenden, indem beispielsweise Eltern gegenüber ihren Kindern eine liebevoll klare und vor allem einhellige Meinung vertreten.

Dramadreiecke: Emotionale Rollengeflechte in Unternehmen

Dramadreiecke

Kostenfalle Dramadreiecke mit emotionalen Teaminterferenzen ©yuriz Getty Images/Canva

Das exakt gleiche Muster erleben Führungskräfte in Teams und Projektgruppen. Hier werden dann gerne mal Hierarchieebenen gegeneinander ausgespielt und/oder es bilden sich widerstreitende Interessensgruppen. Bei solch verworrenen dysfunktionalen Beziehungsgeflechten, die in Unternehmen und Familien weitreichende negative Folgen haben können, handelt es sich um unreife Verhaltensstrategien. Da sie den Beteiligten jedoch nicht bewusst sind, setzen sie sich fröhlich fort.

Meistens sind die drei Rollen auf drei Personen verteilt. Doch auch zwei Personen können die drei Rollen abwechselnd miteinander spielen. Dramadreiecke lassen sich sogar sehr gut allein spielen, indem einzelne Persönlichkeitsaspekte des sogenannten „inneren Parlaments“ abwechselnd in diese drei Rollen schlüpfen. Viele Menschen kennen solche inneren Dialoge der persönlichen „Engelchen“ und „Teufelchen“ auf ihren Schultern.

Verfolger

In der Rollenverteilung zeigt sich häufig, dass Verfolger-Rollen von Menschen eingenommen werden, die von Unzufriedenheit, Ärger und Ungeduld geprägt sind. Diese Persönlichkeiten neigen dazu, andere abzuwerten und klein zu machen. Verfolger erkennt man daran, dass sie übermäßig kritisieren, bestrafen oder sogar verletzen. Typisches Verhalten sind Kritik, Herabsetzung, Anklage und Verurteilung. Dadurch erhöhen sie sich selbst und gewinnen scheinbar Anerkennung. Gleichzeitig geben sie vor, im Sinne von Zielerreichung, Fehlervermeidung oder Weiterentwicklung zu handeln.

Die eingesetzten Mittel im Umgang mit anderen sind jedoch meist ungeeignet. Betroffene werden unter Druck gesetzt oder wiederholt kritisiert. Dieses Verhalten basiert häufig auf der inneren Haltung: „Ich bin ok – du bist nicht ok.“ Das eigentliche Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung bleibt dabei unerfüllt. Stattdessen verstärkt sich der innere Ärger. So bleibt der destruktive Kreislauf bestehen.

Opfer

Opfer-Rollen in Dramadreiecken werden häufig automatisch eingenommen. Betroffene entscheiden sich dabei unbewusst für einen Zustand der Hilflosigkeit und erleben sich als abgelehnt.Oft liegt die Ursache in einem grundlegenden Mangel an Selbstwert. Dieser ist häufig verbunden mit Ängsten und melancholischen Grundgefühlen.Im Verhalten zeigt sich das durch scheinbare Schüchternheit, Kindlichkeit oder Unwissenheit. Auch unbeholfene oder tollpatschige Verhaltensweisen können dazugehören. Neben der offensichtlichen Hilflosigkeit wird so ein bestimmtes Bild nach außen vermittelt.

Die sogenannten Sekundärgewinne sind dabei nicht zu unterschätzen. Zum einen erhalten Betroffene Aufmerksamkeit und Mitgefühl aus ihrem Umfeld. Zum anderen können sie in ihrer Komfortzone bleiben, da Probleme nicht aktiv gelöst werden müssen. Diese werden häufig von sogenannten „Rettern“ übernommen.Die zugrunde liegende Haltung lautet meist: „Ich bin nicht ok – du bist ok.“
Gleichzeitig liefern Opfer oft nachvollziehbare Erklärungen für ihre Situation. Dazu zählen eine schwierige Kindheit, ein ungerechtes Umfeld oder belastende Lebensumstände.Doch Vorsicht vor vorschneller Bewertung: Hinter jeder Prägung steht eine eigene Leidensgeschichte.

Auffällig ist jedoch, dass Betroffene ihre eigenen Fähigkeiten häufig abwerten. Verantwortung für die Entstehung oder Lösung ihrer Situation wird selten übernommen. So entsteht eine unbewusste Abhängigkeit vom Drama.Wird dieses Verhalten angesprochen, äußern Betroffene meist den Wunsch nach Veränderung. Gleichzeitig berichten sie, bereits „alles versucht“ zu haben.Ein konstruktiver Umgang beginnt daher mit Verständnis und Klarheit. Destruktive Muster sollten behutsam erkannt und benannt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, Betroffene in ihre Eigenverantwortung zu führen.Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen – sowohl gegenüber Verfolgern als auch gegenüber Rettern. Erst wenn sie ihre eigenen Potenziale erkennen, können sie sich aus eigener Kraft aus dieser Dynamik lösen.

Retter

Um es voranzustellen: die Bereitschaft für andere da zu sein und helfen zu wollen, ist eine wunderbare menschliche Grundhaltung, die nicht in Frage gestellt wird. Gleichwohl gilt es im Geiste des hier beleuchteten Themas im Einzelfall genauer für sich zu reflektieren, was die tatsächlichen Treiber des jeweiligen Verhaltens sind.

Sich berufen fühlende „Retter“ gaukeln ihren identifizierten Opfern eine gewisse Allwissenheit, Befreiungsmacht, Sicherheit, Erlösung und Trost vor. Dabei verhalten Sie sich meist übergriffig, die Zielperson kontrollierend und stülpen in ihrem gutgemeinten Helfersyndrom (wobei das Bestreben „helfen zu wollen“ ja grundsätzlich positiv ist) den scheinbaren Opfern ungefragt Mitleid, Sorgenbewusstsein, Defizitorientierung und eigene Lösungswege über. Dadurch wird der Opferzustand weiter manifestiert.

Die damit einhergehende Grundhaltung lautet: „Ich bin ok – Du bist nicht ok“. Unbewusst kommt es hier zur Abwertung des Opfers, das sich vermeintlich nicht selbst helfen kann. Es muss vielmehr vom strahlenden Held in goldener Rüstung (der sich dadurch erhöht) vor der bösen Welt gerettet werden. Interessant ist nämlich, dass in Wahrheit hier ein Selbstwert-Thema des Retters zugrunde liegt. Denn mangelnder Selbstwert des Retters führt dazu, auch kein wirkliches Vertrauen in die Lösungsfähigkeit des „Opfers“ zu haben („Ich bin nicht ok – Du bist auch nicht ok“). Ein Retter, der aus Dramadreiecken aussteigen möchte, sollte anlassbezogen für sich reflektieren, aus welchem Grund er eigentlich genau zu Hilfe eilt.

Unheilvolles Geben und Nehmen in Dramadreiecken

 Jeder Mensch mit Retter-Syndrom braucht zwingend Opfer, um seinen inneren Mangel befriedigen zu können. So wie auch jeder Mensch mit Opfer-Syndrom den Retter braucht, um seine Welt der scheinbaren Unselbständigkeit und dadurch erkauften Aufmerksamkeit erhalten zu können. Beide werden diesen Zusammenhang entrüstet von sich weisen. Nichtsdestotrotz suchen und finden diese aus Mangel resultierenden inneren Bedürfnisse sich wie zwei Magnete. Sie beschenken sich gegenseitig und erhalten den Teufelskreis unausgesprochen in perfekter Weise aufrecht. So ziehen alle Beteiligten persönliche emotionale Sekundärgewinne aus diesen Dramadreiecken, weshalb sie sich auch niemals von selbst auflösen.

Da Dramadreieck-Konstellationen selbstredend die konstruktive Weiterentwicklung von Beziehungen und einer inhaltlichen Zielerreichung massiv behindern, sind sie gerade im Business so gefährlich für Teams und deren Fortschritt. In unerkannten Dramadreiecken wird die Energie an den falschen Stellen für unsinnige Hamsterräder und Disharmonien vergeudet und hinterlässt stets verbrannte Erde.

Was Sie tun können, um Dramadreiecke zu beenden

Dramadreiecke

Dramadreiecke ©PicturePeople/Canva

Beobachten Sie ab heute in Ihrem Umfeld und in Ihren Teams, wo sich Dramadreiecke zeigen. Wo sind Sie vielleicht selbst unbewusst Mitspieler destruktiver Allianzen? Wo tragen Sie eventuell ungewollt dazu bei, Feindbilder zu erhalten und wo nehmen Sie ehrlicherweise die Rolle eines Retters, Opfers oder Verfolgers ein?

Falls Sie solche Konstellationen und vielleicht auch Ihren persönlichen Anteil daran erkennen, ärgern Sie sich nicht zu sehr über sich selbst und verurteilen Sie auch die weiteren Beteiligten nicht. Es handelt sich um zutiefst menschliches Verhalten, das in der Regel nicht bewusst gewollt ist, sondern allen Betroffenen Leidensdruck und negative Gefühle beschert. Hand auf’s Herz: wann nehmen wir im Alltag schon mal eine solch professionelle Adlerperspektive auf unser Alltagsgeschehen ein? Sorgen Sie einfach in einer konstruktiven und verständnisvollen Grundhaltung von „Ich bin ok – Du bist auch ok“ dafür, dass diese Mechanismen den Beteiligten klar werden. Das ist der erste und wichtigste Schritt, um sich – vielleicht auch mit professioneller externer Hilfe – daraus zu befreien.

Leadership Excellence and no more drama, baby!

Achten Sie darauf, in diesem Prozess weder zum „Retter“ noch zum „Verfolger“ zu werden, bzw. lehnen Sie derartige Rollenangebote klar ab. Falls es dennoch einmal passieren sollte, seien Sie kein „Opfer“ und klären Sie die Situation souverän und geduldig.

Mehr Informationen zum Thema Leadership-Excellence finden Sie hier.

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In seiner Berufung als Senior-Coach, Verhaltenstrainer, Therapeut und Achtsamkeits-Lehrer begleitet Thomas seit 25 Jahren Menschen auf dem Weg zu beruflichem Erfolg, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Zahlreiche Coaching-Zertifizierungen und fundierte Ausbildungen in einem holistischen Kontext fließen in seine Beratungsarbeit ein. Als Autor mehrerer Bücher möchte er seine Leser inspirieren und dabei unterstützen, der Mensch zu sein, der sie von Herzen sein möchten. Darüber hinaus dienen regelmäßige Blog-Artikel dem Kennenlernen seiner Arbeit und einem Vertiefen gemeinsamer Coaching-Sessions.

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